Wie sueddeutsche.de meldet, hat die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Eva Herman jetzt vor dem Landesarbeitsgericht Hamburg Recht erhalten.

 

So könne man laut dem Urteil den umstrittenen Äußerungen, die damals unter anderem zu Hermans Entlassung geführt hatten, “[e]ine Verherrlichung des Nationalsozialismus [...] durchaus nicht entnehmen.”

 

Nun bin kein Verfechter der (oftmals allzu medienwirksam präsentierten) Hermanschen Thesen zur Rolle der Frau, der Familie, der Erziehung etc. pp. und obendrein der Meinung, daß Herman im Zusammenhang mit ihrer Entlassung bei der ARD mehr als nur einmal eine zumindest rhetorisch mehr als unglückliche, um nicht zu sagen: erbärmliche Figur gemacht hat.

Eva Herman Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Art und Weise, wie damals mit ihr umgegangen wurde und zum Teil auch heute noch wird, aus meiner Sicht vor allem Bände über ihre Kritiker und die Medien, in denen diese zu Wort kommen, spricht.

Schon wer damals einigermaßen zuhören und nachdenken konnte, hätte eigentlich nicht zwingend auf die Idee kommen müssen, Herman habe den Nationalsozialismus in ein positives Licht rücken wollen. Daß sie viel zu undifferenziert war und insgesamt kaum Gespür für dieses nach wie vor hochsensible Thema gezeigt hat – keine Frage.

Das rechtfertigt aber noch lange nicht, daß der Nationalsozialismus-Vorwurf immer wieder als willkommene Waffe dafür eingesetzt werden kann, eine unliebsame Person mundtot zu machen und für zumindest sehr lange Zeit in ihrem Ruf zu schädigen. Beispiele dafür gibt es genug.

 

Das zeigt mir zweierlei:

Zum einen, daß wir noch immer weit davon entfernt sind, mit unserer deutschen Vergangenheit einigermaßen angstfrei umzugehen. Angst aber schränkt bekanntlich nicht selten die Wahrnehmungs- und Urteilsfähigkeit ein – ob das gute Voraussetzungen für eine wirklich gelungene Verarbeitung von Geschichte sind?

Zum zweiten wird an diesem Punk deutlich, wie weit entfernt oft unsere Medienlandschaft von einer einigermaßen neutralen (das Wort “objektiv” möchte ich hier schon gar nicht erwähnen) Berichterstattung ist. Ich habe damals nur selten einen Beitrag gelesen oder gehört, der sich nicht schon von vornherein zumindest implizit dafür entschieden hätte, wie Hermans Äußerungen zu werten seien. Ist das Aufgabe von Nachrichtenschreibern?

 

Da wird es höchste Zeit, daß ein deutsches Gericht wenigstens in dieser Frage einmal Klartext redet und die involvierten Medien so zu etwas mehr Aufrichtigkeit verdonnert. Die ARD muß keine Sprecherin bezahlen, die so polarisiert wie Herman – das sei ihr gerne zugestanden. Aber sie sollte wenigstens so ehrlich sein, die Gründe für eine Entlassung bzw. die Verweigerung einer weiteren Anstellung offen auf den Tisch zu legen, statt sich hinter einer allgemeinen Rufmord-Kampagne zu verstecken.

 

Gespannt bin ich, ob dieses Urteil der ARD heute oder in den kommenden Tagen eine Meldung wert sein wird …

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2 Kommentare zu: “Eva Herman "rehabilitiert"?”

  1. Freut mich ja, dieses Urteil! Nun wird langsam aber sicher auch formell klar, was viele schon immer glaubten: dass man diese Frau einfach nur “abschießen” wollte. Parallelen zum Fall Martin Hohmann sind für mich unverkennbar. Auch da haben Gerichte im Nachhinein feststellen müssen, dass es den Corpus Delicti nicht gab. Man merke auf!

    Was du zu den Medien schreibst, kann ich nur bestätigen. Ich sehe es fast noch kritischer, denn von “Inseln der Qualität” (sagte einmal Kurt Beck über die Öffentlich-Rechtlichen), kann man bei ARD & Co. schon lange nicht mehr sprechen. Diese GEZ-Bezahlsender treiben tendenziöse Berichterstattung und Verzerrung. Wer diesen Medien vorbehaltlos traut, ist selber schuld!

    Man kann jeden nur ermuntern, sein Recht auf eigene Meinung wahrzunehmen!

  2. Theolobias sagt:

    Ja, die Parallele zu Homann hatte ich da auch von Anfang an gezogen. Zwar hat auch der sich m.E. teilweise ungeschickt verhalten, was ich ihm bei seinem intellektuellen Niveau noch übler nehme, aber gerechtfertigt waren die Reaktionen damit keineswegs.

    Und was die Medien angeht: naja, aufs Ganze gesehen mag das mit den “Inseln der Qualität” ARD & Co. vielleicht noch stimmen, allerdings auch nur deshalb, weil es dort nach wie vor viele Einzelkämpfer gibt, die wirklich qualitativ hochwertigen Journalismus betreiben – neben einer immer größer werdenden Schar von Fernsehmachern, die einfach nur noch “Bedürfnisse” befriedigen wollen – was letzten Endes nichts anderes ist als ein Euphemismus für “Erst das Fressen, dann die Moral”. Die übergeordneten Instanzen, die hier noch regulierend einschreiten könnten, haben in Zeiten von Finanzknappheit schon lange die Quote zur Qualitätsnorm erhoben.

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