Eben erfahre ich, daß auch beim 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag 2009 in Bremen die Kölner A-capella-Truppe Wise Guys für den Titelsong verantwortlich ist.

 

Wise Guys Mal abgesehen davon, daß ich die allgemeine Kirchentags-Besucher-Hysterie (“Hach, die Wise Guys – da muß ich uuunbedingt hin, die sind ja sooo toll!!!”) nicht nachvollziehen kann, weil mir dieses ständige Wise Guys-”Du-du-da-da-hu-hu-huuuu”-Geträllere gewaltig auf den Senkel geht: viel schlimmer finde ich mal wieder die inhaltliche Vorhersehbarkeit dieser größten “Zentralversammlung” deutscher Protestanten.

 

Nein, schlecht ist der Text von “Mensch, wo bist du?” nicht, wenn auch nicht gerade lyrisch wertvoll. Aber hätte man mich darum gebeten, mal eben schnell unter Mißachtung meiner eigenen Anliegen einen typischen Kirchentags-Song zum Thema zu texten, nach spätestens ein, zwei Stündchen hätte ich wohl genau das gleiche Ergebnis vorgelegt – nämlich:

1. Es geht um soziale Gerechtigkeit

2. Es geht um Begegnung mit dem Fremden, insbesondere der fremden Religion

3. Hauptsache, wir sind alle schön am Suchen

 

Nun gehöre ich nicht zu der Spezies, die dem Kirchentag die Evangeliumstreue und damit die Berechtigung absprechen will, weil einen nicht schon das Motto mit der frommen Keule erschlägt.

Was man hier allerdings hört und liest, ist genau die gleiche politically und theologically korrekte Phrasendrescherei wie schon bei manchen anderen Kirchentagen. Wüßte ich es nicht besser, würde ich davon ausgehen, mir läge hier das Parteilied der Grünen oder die Hymne des Rotary Clubs vor.

 

Noch einmal: ja, soziale Gerechtigkeit ist auch ein christliches Thema. Auch. Interreligiöser Dialog ist auch ein christliches Thema. Auch. Suchen ist auch ein christliches Thema. Auch.

 

Aber wann endlich finden die Verantwortlichen dieser Veranstaltung den Mut, auch einmal offensiv dazu zu stehen, daß

1. soziale Gerechtigkeit nicht das zentrale Thema des Evangeliums ist?

2. Vertiefung des eigenen Glaubens abseits interreligiösen Dialogs nicht gleich fromme Nabelschau bedeuten muß?

3. Christen nicht nur Sucher sind, sondern vor allem schon von einer Antwort herkommen?

 

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4 Kommentare zu: “Tralala beim Kirchentag”

  1. Tiberius sagt:

    Das kann ich gut verstehen.

  2. Wieder mal ein Stück kirchentagliche Irrelevanz würde ich sagen. Kann deine Kritikpunkte nur unterschreiben.

    Aber noch ein Wort zur Musik: sowas haben Die Prinzen zu ihrer besten Acapella-Zeit weitaus besser hinbekommen, vor allem einen Tick humorvoller. Und das war schon in den 90ern. Nur weil “Wise Guys” draufsteht, muss es nicht automatisch gut sein. Und: auch die EKD kann mal irren.

    Warum macht eigentlich der Bittlinger nicht wieder mal das Kirchentagslied, er hat doch da Erfahrung mit den drei wichtigsten Kirchentagsliedinhaltspunkten (s.o.)? Und jetzt wo er eh in aller Munde ist, wär das doch mal was!

  3. Theolobias sagt:

    Ja, die Prinzen waren da in der Tat frischer, innovativer, abwechslungsreicher, intelligenter – und vor allem lustiger.

    Bittlinger wäre eigentlich auch mein Tip gewesen bei der Frage, wer diesmal das Kirchentagslied übernimmt. Aber mit seinem Papst-Bashing-Song “Mensch, Benedikt” hat er sich unter Kirchentagsniveau begeben. Niveaulosigkeit kann man dem Kirchentag an sich ja nicht unbedingt unterstellen – nur eine katastrophale Schwerpunktsetzung.

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