Vor einigen Monaten hatte ich mich dazu entschlossen, der neuen Online-Community “christbook.com” beizutreten, sozusagen einem (zumindest dem Anspruch nach) Pendant zu studiVZ oder auch Facebook für Christen.
Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, wie sinnvoll so ein Angebot angesichts bereits etablierter Möglichkeiten wie Jesus.de oder eben auch Facebook (wo “christliche” Netzwerke gut und einfach realisierbar sind) ist, entwickelte sich der “Community”-Aspekt bei christbook.com sehr schleppend: bis heute hat die Plattform etwa 140 Mitglieder, die Konversationsdichte und der Neuigkeitswert tendieren dabei gegen Null.
Einige “Aufregung” verursachte auch der Umstand, daß einer der Leute, die als Macher hinter christbook.com stehen, ein gewisser Dr. Jack Nasher ist – bekannt ausgerechnet aus der Pro7-Sendung “The Next Uri Geller”, wo er als “Mentalist” auftrat. Ein anderer ist Daniel Langwasser, der neben christbook.com pikanterweise auch noch für eine Website für Aktphotographie verantwortlich ist. (Einen etwas ausführlicheren Artikel dazu findet man hier.) Nun sollte man deshalb zwar nicht gleich den Teufel an die Wand malen, aber bei einem Angebot, das sich selbst als “The Christian Community” bewirbt, hinterläßt das doch zumindest Fragezeichen.
Ich hatte versucht, die Fragezeichen zur Sprache zu bringen, woraufhin sich eine eigentlich ganz angenehme Unterhaltung mit einer weiteren Betreiberin von christbook.com ergab. Es steht mir nicht zu, über den Glauben anderer Menschen, die ich zudem nur “virtuell” kenne, zu urteilen – und doch muß und will ich zugeben, daß der Ertrag dieser Unterhaltung mein Unwohlsein bestätigt und verschärft hat: was da unter “Christsein” verstanden wurde, erschien und erscheint mir äußerst dürftig bis wiederum fragwürdig; eine wirklich von der christlichen Botschaft her verstandene inhaltliche Zielsetzung von christbook.com war für mich gänzlich unerkennbar und ist es bis heute geblieben. Da kommt doch irgendwie der Verdacht auf, daß mit christbook.com über kurz oder lang nicht sehr viel mehr als kommerzielle Interessen verbunden werden sollen – auch, wenn das momentan (noch?) nicht belegbar ist. Wie gesagt, das ist nur ein Verdacht – in dem ich mich gerne korrigieren lasse.
Nachdem ich nun also einige Monate lang Mitglied bei christbook.com war, im Prinzip aber keinerlei Nutzwert davon hatte, habe ich meine Mitgliedschaft dort heute beendet. Ausschlaggebend war neben den bereits erläuterten Gründen vor allem eine Rundmail von christbook.com an seine Mitglieder mit folgendem Inhalt:
“Liebe Freunde, Mitglieder und Besucher,
wir möchten Euch auf diesem Wege ein frohes neues Jahr wünschen! Mögen alle Eure Wünsche und Erwartungen an 2009 in Erfüllung gehen!
Herzliche Grüße und Gottes segen
Euer Christbook-Team”
Vermutlich wirklich einfach nur nett und gut gemeint, aber den Satz “Mögen alle Eure Wünsche und Erwartungen an 2009 in Erfüllung gehen!” fand ich dann doch einen Tick zu blöd.
Mal ehrlich: eine solche Aussage ist doch, wenn sie ernstgemeint ist, im Kern nichts anderes als die Verkehrung der Bitte “Dein Wille geschehe” aus dem Vater Unser in “Mein Wille geschehe”. Ich habe vorhin darum kurzerhand eine eMail an das Betreiberteam von christbook.com geschrieben und unter anderem formuliert:
“Ich hoffe nicht, daß alle meine Wünsche und Erwartungen an 2009 in Erfüllung gehen. Das wäre unter Umständen fatal. Ich wünsche mir, daß Gottes Wille geschieht, nicht mein Wille! Von einer "christlichen" Internetplattform würde ich schon ein bißchen mehr erwarten als derart platte Wünsche, die auf den ersten Blick leider befürchten lassen, daß es mit dem inhaltlichen (!) Anliegen dieser Plattform nicht zum besten bestellt ist.”
Abgesehen von der Notwendigkeit, ergänzend zu sagen, daß unsere Wünsche und Erwartungen durchaus kompatibel sein können mit Gottes Willen, faktisch aber auch immer wieder daran vorbeigehen, würde ich mir wünschen, daß solche Impulse, auch wenn sie in meinem Fall mit der Kündigung meiner Mitgliedschaft verbunden waren, bei den Betreibern zu einem Nachdenken über Sinn und Zweck von christbook.com beitragen. Wenn das dazu führt, daß sich dieses Angebot in Zukunft weniger fragwürdig präsentiert und daß es künftig verstärkt wirklich zu einer “Christian Community” gemacht wird, wäre das begrüßenswert.
Andernfalls würde ich in einem Anflug von Frömmelei fragen wollen, ob christbook.com, wenn denn schon nicht “meinem Willen”, so doch wenigstens “Gottes Willen” entspricht.
Tags: christbook.com, Facebook, Jesus.de, pro-Medienmagazin, studiVZ





Danke für diese Informationen; bezüglich des Neujahrspostings bin ich ganz deiner Meinung. Dann kann ich mir das sparen, mich da anzumelden; was mir gleich aufgefallen ist, ist dass sie nur von “Christen” auf der Startseite sprechen und diese sexistische Rede finde ich sowieso nicht sehr einladend.
Aber bitte eine Frage: Was ist Jesus.de – die Seite funktioniert bei mir nicht und würde das gerne erkunden, weil ich schon öfter davon gelesen habe. Weisst Du da drüber mehr?
Interessant finde ich in diesem Zusammenhang ja, dass die sozialen Internet-Netzwerke offenbar im fundamentalistischen christlichen Bereich blühen und gedeihen. Ich meine jetzt besonders das Forum von kath.net, wo aufgeklärt denkenden Menschen oftmals nur grauen kann, die sind auch furchtbare DenunziantInnen.
Hallo Andrea!
Also, bezüglich der Rede von “Christen” kann man, denke ich, geteilter Meinung sein. Ich würde im Leben nicht auf den Gedanken kommen, daß diese “exklusive” Form sexistisch wäre, obwohl ich um den Nutzen inklusiver Sprache weiß.
Aber für in dieser Hinsicht empfindlichere oder vielleicht auch feinfühligere Gemüter wäre ein “Christen und Christinnen” oder ein “ChristInnen” vielleicht einladender, da hast Du recht.
Zu Jesus.de: versuch einfach mal, direkt http://www.jesus.de im Browser einzugeben, müßte funktionieren, solange da nicht gerade ein Problem mit dem Server vorliegt. Jesus.de ist die größte deutschsprachige Online-Community und Nachrichtenplattform für ChristInnen – getragen von der “Stiftung Christlicher Medien”, von daher auch von Betreiberseite her tendenziell evangelikal geprägt, vereint aber eine bunte Vielfalt von Pietisten und Evangelikalen aus Frei- und Landeskirchen, eher klassisch-volkskirchlich geprägte ProtestantInnen, KatholikInnen, Angehörigen anderer Religionen, AtheistInnen … Anliegen ist aber ganz klar erkennbar die Bekanntmachung Jesu Christi und die Möglichkeit zum Austausch von ChristInnen untereinander und mit NichtchristInnen. Bitte nicht böse sein, wenn ich nicht immer inklusive Sprache verwende.
Was kath.net angeht – da war ich bislang so gut wie nie, von daher kann ich dazu nichts sagen. Bei Jesus.de würde ich aber nicht von fundamentalistisch reden, ganz einfach, weil “fundamentalistisch” für mich ganz und gar nicht gleichzusetzen ist mit “evangelikal”. Es gibt auch auf Jesus.de durchaus mal Hau-drauf-Diskussionen, vor allem auch im Chat, wo ohnehin viele Pubertierende und auch viele Leute, die im normalen Leben wohl weitaus schüchterner sind, ihren Senf abgeben – aber das kommt keineswegs nur aus evangelikaler Ecke.
Dankeschön, das ist ja technisch interessant, dass das jetzt mit dem Tipp mit dem Direkteingeben im Browser funktioniert (????). Ich werde da mal rumstöbern, mich interessiert einfach, was sich im christlichen Bereich im (deutschsprachigen) Web 2.0 so tut – und über die inhaltliche Ausrichtung werde ich mir selbst einfach eine Meinung bilden.
Ja, die Sprache … mir ist das wichtig, dass sehr konsequent zu tun, weil die Praxis einfach zeigt, dass Frauen nur gemeint sind, wenn sie auch sprachlich benannt werden oder wenn gute “neutrale” Formulierungen gefunden werden. Ich bin aber nicht böse – nur inhaltlich davon überzeugt, dass Sprechen Handeln ist.
Viel Spaß beim Herumstöbern auf Jesus.de!
Ich kann Deine Position zur inklusiven Sprache schon nachvollziehen und bin darüber hinaus wie Du der Überzeugung, daß Sprechen Handeln ist. Nur teile ich nicht unbedingt die Konsequenzen, die Du daraus ziehst:
Ich meine, wenn ich “Christen” sage, automatisch und bewußt auch Frauen (und kenne unzählige Frauen, die das auch so wahrnehmen und verstehen) und halte es, um ganz ehrlich zu sein, für ein übertriebenes Vorurteil des Feminismus, daß exklusive Redeformen automatisch auch implizit exkludierend gemeint sind (wohl aber wirken können, das gestehe ich zu). Ich denke, das liese sich auch sprachtheoretisch begründen. Ich denke auch nicht, daß solche exklusiv-männlichen Redewendungen, wenn sie eigentlich auch Frauen meinen, notwendig inkosequent sind.
Aber darüber müssen wir hier ja keinen Konsens erzielen.
Hauptsache, wir verstehen uns.
Schön, daß Du hier vorbeischaust!
Gruß,
Tobias
Ja, Konsens werden wir in dieser Frage der Sprache wohl nicht erzielen. Trotzdem habe ich deinen Blog schon eine Weile im Feed und lese deine Beiträge immer wieder gerne. Liebe Grüsse, Andrea
Hallo Andrea!
Freut mich, daß Du meine Beiträge gerne liest! Habe Dein Blog auch schon seit einiger Zeit im Feedreader. Und wenngleich ich neulich bei Deiner Predigt zu Genesis 1 heftigste Bauchschmerzen hatte: fruchtbarer Dissens ist mir in der Regel allemal lieber als fruchtloser Konsens! Deine Beiträge aus dem Bereich von Kultur und Politik finde ich eine echte Bereicherung – habe ich sonst nur selten in meinem Feedreader.
Weiterhin viel Freude beim Bloggen und auf ein baldiges Wiedersehen bzw. -schreiben,
Tobias