Von Theolobias ♣ Mittwoch, 14. Januar 2009

RelevantBlogs RelevantBlogs, eine Sammelstelle für christliche Blogs, hat seit gestern ein paar neue Mitglieder: unter anderem wurde auch theolobias.de in das Angebot aufgenommen. Dafür ein herzliches Dankeschön an Peter Unruh, den Macher hinter RelevantBlogs.

 

Wer nach einem geeigneten Sprungbrett hinein in die “Christoblogosphäre” sucht, ist bei RelevantBlogs genau richtig: unter jedem Blogtitel befindet sich ein die letzten fünf Beiträge umfassender Feed (inklusive Textvorschau), mit dem man sich einen schnellen Überblick über die Inhalte der aktuell 31 aufgeführten Blogs verschaffen kann. Das Projekt befindet sich noch in der Anfangsphase, weitere Blogs können also jederzeit folgen.

 

In eigener Sache: wer noch immer auf den zweiten Teil der Reihe “Theologie der Mission” hier auf theolobias.de wartet: ein kleinlautes ‘tschuldigung meinerseits – ich bin gerade mit Arbeit überhäuft, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Immerhin könnt Ihr ab jetzt auch bei RelevantBlogs sehen, wenn es hier was neues gibt … ;-) Ich hoffe, es dauert nicht mehr lange …

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Von Theolobias ♣ Montag, 05. Januar 2009

Vor einigen Tagen hatte ich die große Ehre, David Decker ein Interview für ekkaleo.de zu geben.

 

ekkaleo-Interview

 

Das Ergebnis (es geht um die Themen Musik, Theologie & Glaube, Emerging Church …) kann per Klick auf das Bild oder folgenden Link nachgelesen werden:

Musik und Theologie – Tobias Lampert im Interview

 

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an David für die spannenden Fragen und den guten Kontakt (er hat mir auch schon so manche technische Hilfestellung bei der Erstellung von theolobias.de gegeben)! Im Gegenzug werde ich hier bei Gelegenheit ein “Revanche-Interview” mit David führen – wem ekkaleo.de bislang nicht bekannt ist, sollte auf jeden Fall einmal darauf herumstöbern: da gibt es sehr viel Lesens-, Hörens- und Nachdenkenswertes zu entdecken!

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Von Theolobias ♣ Freitag, 02. Januar 2009

Vor einigen Monaten hatte ich mich dazu entschlossen, der neuen Online-Community “christbook.com” beizutreten, sozusagen einem (zumindest dem Anspruch nach) Pendant zu studiVZ oder auch Facebook für Christen.

christbook

Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, wie sinnvoll so ein Angebot angesichts bereits etablierter Möglichkeiten wie Jesus.de oder eben auch Facebook (wo “christliche” Netzwerke gut und einfach realisierbar sind) ist, entwickelte sich der “Community”-Aspekt bei christbook.com sehr schleppend: bis heute hat die Plattform etwa 140 Mitglieder, die Konversationsdichte und der Neuigkeitswert tendieren dabei gegen Null.

 

Einige “Aufregung” verursachte auch der Umstand, daß einer der Leute, die als Macher hinter  christbook.com stehen, ein gewisser Dr. Jack Nasher ist – bekannt ausgerechnet aus der Pro7-Sendung “The Next Uri Geller”, wo er als “Mentalist” auftrat. Ein anderer ist Daniel Langwasser, der neben christbook.com pikanterweise auch noch für eine Website für Aktphotographie verantwortlich ist. (Einen etwas ausführlicheren Artikel dazu findet man hier.) Nun sollte man deshalb zwar nicht gleich den Teufel an die Wand malen, aber bei einem Angebot, das sich selbst als “The Christian Community” bewirbt, hinterläßt das doch zumindest Fragezeichen.

 

Ich hatte versucht, die Fragezeichen zur Sprache zu bringen, woraufhin sich eine eigentlich ganz angenehme Unterhaltung mit einer weiteren Betreiberin von christbook.com ergab. Es steht mir nicht zu, über den Glauben anderer Menschen, die ich zudem nur “virtuell” kenne, zu urteilen – und doch muß und will ich zugeben, daß der Ertrag dieser Unterhaltung mein Unwohlsein bestätigt und verschärft hat: was da unter “Christsein” verstanden wurde, erschien und erscheint mir äußerst dürftig bis wiederum fragwürdig; eine wirklich von der christlichen Botschaft her verstandene inhaltliche Zielsetzung von christbook.com war für mich gänzlich unerkennbar und ist es bis heute geblieben. Da kommt doch irgendwie der Verdacht auf, daß mit christbook.com über kurz oder lang nicht sehr viel mehr als kommerzielle Interessen verbunden werden sollen – auch, wenn das momentan (noch?) nicht belegbar ist. Wie gesagt, das ist nur ein Verdacht – in dem ich mich gerne korrigieren lasse.

 

Nachdem ich nun also einige Monate lang Mitglied bei christbook.com war, im Prinzip aber keinerlei Nutzwert davon hatte, habe ich meine Mitgliedschaft dort heute beendet. Ausschlaggebend war neben den bereits erläuterten Gründen vor allem eine Rundmail von christbook.com an seine Mitglieder mit folgendem Inhalt:

“Liebe Freunde, Mitglieder und Besucher,
wir möchten Euch auf diesem Wege ein frohes neues Jahr wünschen! Mögen alle Eure Wünsche und Erwartungen an 2009 in Erfüllung gehen!
Herzliche Grüße und Gottes segen
Euer Christbook-Team”

 

Vermutlich wirklich einfach nur nett und gut gemeint, aber den Satz “Mögen alle Eure Wünsche und Erwartungen an 2009 in Erfüllung gehen!” fand ich dann doch einen Tick zu blöd.

 

Mal ehrlich: eine solche Aussage ist doch, wenn sie ernstgemeint ist, im Kern nichts anderes als die Verkehrung der Bitte “Dein Wille geschehe” aus dem Vater Unser in “Mein Wille geschehe”. Ich habe vorhin darum kurzerhand eine eMail an das Betreiberteam von christbook.com geschrieben und unter anderem formuliert:

“Ich hoffe nicht, daß alle meine Wünsche und Erwartungen an 2009 in Erfüllung gehen. Das wäre unter Umständen fatal. Ich wünsche mir, daß Gottes Wille geschieht, nicht mein Wille! Von einer "christlichen" Internetplattform würde ich schon ein bißchen mehr erwarten als derart platte Wünsche, die auf den ersten Blick leider befürchten lassen, daß es mit dem inhaltlichen (!) Anliegen dieser Plattform nicht zum besten bestellt ist.”

Abgesehen von der Notwendigkeit, ergänzend zu sagen, daß unsere Wünsche und Erwartungen durchaus kompatibel sein können mit Gottes Willen, faktisch aber auch immer wieder daran vorbeigehen, würde ich mir wünschen, daß solche Impulse, auch wenn sie in meinem Fall mit der Kündigung meiner Mitgliedschaft verbunden waren, bei den Betreibern zu einem Nachdenken über Sinn und Zweck von christbook.com beitragen. Wenn das dazu führt, daß sich dieses Angebot in Zukunft weniger fragwürdig präsentiert und daß es künftig verstärkt wirklich zu einer “Christian Community” gemacht wird, wäre das begrüßenswert.

Andernfalls würde ich in einem Anflug von Frömmelei fragen wollen, ob christbook.com, wenn denn schon nicht “meinem Willen”, so doch wenigstens “Gottes Willen” entspricht.

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Von Theolobias ♣ Mittwoch, 31. Dezember 2008

Guter Rutsch … und ein frohes und gesegnetes Jahr 2009 allen Lesern von theolobias.de!

 

Ich war die vergangenen Tage etwas inaktiv, aber die guten Vorsätze fürs neue Jahr sind schon gefaßt. :-) Als erstes wird es wohl, nachdem ich das eigentlich schon vor Weihnachten erledigt haben wollte, morgen mit Teil 2 der Reihe zur “Theologie der Mission” weitergehen.

 

Ach ja, und weil ich das Hebräische so liebe: wer sich noch immer nicht so recht erklären kann, warum wir uns an jedem Jahresende “einen guten Rutsch” wünschen: Das hat nicht etwa mit dem “Hineinrutschen” ins neue Jahr zu tun, sondern kommt ursprünglich aus dem Hebräischen. Dort wünscht man sich “rosch haschana tov” (“einen guten Jahresanfang”). Über das Jiddische und das Rotwelsche wurde aus “rosch” (“Kopf/Haupt/Anfang”) schließlich “Rutsch”.

Vielleicht ja auch eine gute Gelegenheit, beim nächsten solchen Wunsch einen Moment an das Volk zu denken, das noch immer (neu-)hebräisch spricht: Schalom Israel! Aber auch: Schalom den Palästinensern!

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Von Theolobias ♣ Mittwoch, 24. Dezember 2008

Holzkrippe Zugegeben,
wir sind auf dem
Holzweg,
wenn wir ihm folgen:

Auf diesem mühsamen Weg
vom Holz der Krippe
im ärmlichen Stall
zum Holz des Kreuzes,
dem Marterpfahl,
an dem er litt.

Dazwischen
der harte Alltag des
Zimmermanns: Holz,
Balken und Latten ringsum.
Bretter, die die Welt
bedeuten. Das war
seine Welt. Holzgeruch
über Jahre hin.

Und nun also ich:
mit dem Brett
vor dem Kopf und dem
Balken im Auge.
Und ich (lacht nur),
ich will ihm nachgehn.

(Lothar Zenetti)

*

*

*

Es mag Euch vielleicht noch niemand

das Brett vor dem Kopf nehmen,

noch den Balken im Auge.

*

Verzweifelt nicht. Geht ihm nur nach.

*

Frohe und gesegnete Weihnachten allen Lesern von theolobias.de!

*

*

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Von Theolobias ♣ Montag, 22. Dezember 2008

Kabarett Seit heute weiß ich endlich, warum das Kabarett so eine große Affinität zur Politik hat: weil Politiker so eine große Affinität zum Kabarett haben!

 

Anders jedenfalls läßt sich ein solcher Blödsinn, wie er vom CDU-Politiker Thomas Volk und dem FDPler Martin Lindner verzapft wurde (siehe dazu die Meldung der Süddeutschen Zeitung), kaum erklären. Dennoch auch diesen beiden: frohe Weihnachten – und hoffentlich läßt man Euch Jungs an Heilig Abend in den Gottesdienst!

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Von Theolobias ♣ Freitag, 12. Dezember 2008

Jaja, ganz findige Zeitgenossen haben es vielleicht schon bemerkt: alles neu macht der M… Dezember.

 

Einhergehend mit der Aktualisierung auf die neue WordPress-Version 2.7 habe ich theolobias.de ein neues Design verpaßt. Nötig wurde dies erstens durch eine fehlerhafte Darstellung meines alten Themes "iLeather theolobiasized" im Internet Explorer, außerdem habe ich mir schon länger ein etwas professioneller gestaltetes Layout gewünscht und meine, das nun gefunden zu haben.

 

theolobias.de

 

Ein paar Neuerungen in der Handhabung für Dich, den Leser, bringt die Runderneuerung ebenfalls:

 

1. Das Theme "Amazing Grace" von Vladimir Prelovac, das ich nun benutze, ist noch nicht eingedeutscht – bitte nicht wundern, wenn z.B. der Kommentarbereich eine englische Beschreibung aufweist. Ich werde das Theme evtl. nach und nach übersetzen, das kann aber dauern. Das meiste erklärt sich aber ohnehin von selbst.

 

2. Ganz oben im Header findest Du wie gewohnt die Seitennavigation. Neu dazugekommen ist unterhalb des Titels eine Navigationsleiste für die unterschiedlichen Kategorien (für eine noch feinere Themensuche können Themen-Wolke und Suchleiste auf der rechten Seite verwendet werden). Mit einem Klick gelangst Du so jetzt zu einer Auflistung aller zu einem bestimmten Themenbereich gehörenden Beiträge. Da ich des Platzes wegen künftig nur noch mit vier bis fünf Kategorien werde arbeiten können, kann es hier in den kommenden Tagen immer mal wieder zu Änderungen kommen, die wesentliche Struktur bleibt aber, wie ich denke, gewahrt, also: "Gemeinde & Theologie" für alles, was mit Glaube, Theologie, Kirche und Gemeinde zu tun hat, "Musik" für Rezensionen, Konzertberichte etc. und "Allgemeines" für den großen Rest, bestehend in Beiträgen zu Politik, Satiren etc.

 

3. Im Kommentarbereich ist es ab sofort möglich, wie in einem Forum auf einzelne Beiträge direkt zu antworten (per Klick auf "Reply" beim entsprechenden Eintrag). Ein solcher Kommentar erscheint dann leicht eingerückt direkt unter dem Kommentar, auf den er sich bezieht. Problematisch würde das erst bei sehr ausführlichen Diskussionen – in dem Fall kann ich dann für einen solchen Artikel wieder die lineare Kommentarfunktion aktivieren.

 

Nun hoffe ich, daß das neue Design auf Gefallen stößt! Rückmeldungen dazu gerne per Kommentar, eMail etc.

 

Ach ja: die Reihe "Theologie der Mission" wird morgen fortgesetzt! :-)

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Von Theolobias ♣ Freitag, 28. November 2008

 

[Als Quelle für diese Reihe dient im wesentlichen: Theo Sundermeier, Art. Theologie der Mission, in: Karl Müller / Theo Sundermeier (Hg.), Lexikon missionstheologischer Grundbegriffe, Berlin 1987, 470-495. Natürlich ist die Diskussion in den vergangenen Jahren fortgeschritten, die Grundlinien aber sind die gleichen geblieben, zumal die Darstellung der unterschiedlichen theologischen Missionskonzeptionen als Gegenstand theologischer Geschichtsforschung kaum grundlegender Änderungen bedarf. Ich werde, wo es mir sinnvoll erscheint, weitergehende Anmerkungen und Ergänzungen geben. Den ganz neugierigen und der englischen Sprache kundigen Lesern sei wärmstens zur Lektüre empfohlen: David J. Bosch, Transforming Mission. Paradigm Shifts in Theology of Mission, New York 1991 - eine gewinnbringende, weil ausführliche und profunde Lektüre, leider immer noch nicht in deutscher Sprache erschienen.]

 

Einleitung

Mission Als “Salz der Erde”, “Licht der Welt” und “Stadt auf dem Berge” (Mt 5) ist Gemeinde Christi seit jeher in ihrem Sein missionarische (lat. missio = Sendung) Gemeinde. Sie ist es als die das Evangelium verkündigende Gemeinde aufgrund ihres Wesenscharakters, wie ihr Mission zugleich auch als bleibende Bestimmung aufgetragen ist.

Dieser Auftrag geriet in weiten Teilen der christlichen Geschichte dort aus dem Blickfeld, wo man den Missionsbefehl in Anschluß an Röm 10,18 als erfüllt betrachtete. Mit der Entdeckung Amerikas im ausgehenden 15. Jahrhundert – die “Enden der Welt” verschoben sich! – und den Herausforderungen des Christentums im Zeitalter der Aufklärung und der Neuzeit setzte ein missionarischer Neuaufbruch ein, begleitet von einer Neubesinnung über das Wesen des Missionsauftrags der Kirchen.

 

So war Gustav Warneck (1834-1910; evangelischer Theologieprofessor in Halle) der erste, der ab 1892 eine umfassende Missionslehre schrieb – er gilt damit zugleich als Begründer der systematischen protestantischen Missionswissenschaft und hat bleibende Wirkung auch auf die Missionstheologie in der katholischen Kirche.

Die Darstellung einer expliziten Theologie der Mission setzt somit im vergangenen Jahrhundert ein.

Mission meint nach Warneck “die gesamte auf die Pflanzung und Organisation der christlichen Kirche unter Nichtchristen gerichtete Tätigkeit der Christenheit”, ihr Ziel ist also die Bekehrung und Taufe von Nichtchristen, verbunden mit der Gründung neuer Kirchen bzw. Gemeinden, die als neue Heimat der Neubekehrten dienen sollen. Dabei vereint Warneck Ansätze, die sich in der späteren Missionstheologie auseinanderdividieren werden, zunächst vor allem in das “Konversionsmodell” einerseits und das “Plantationsmodell” andererseits.

 

Das “Konversionsmodell”

Joseph Schmidlin (1876-1944; Theologieprofessor in Münster) gilt als Begründer der katholischen Missionswissenschaft und steht nachweislich unter dem Eindruck Gustav Warnecks.

Wo Warneck allerdings keine engen Präferenzen hinsichtlich der Struktur neuzugründender Kirchen oder Gemeinden hat, schlägt bei Schmidlin die röm.-kath. Ekklesiologie (Lehre von der Kirche) voll durch: die katholische Kirche wird mit dem Reich Gottes identifiziert – Ziel der Mission kann von daher nur die Eingliederung in die bereits verfaßte Kirche sein. Als religiöser Akt hat die Bekehrung von Menschen zugleich soziale und kulturelle Folgen, nämlich die Abgrenzung vom bisherigen religiösen und sozialen Gefüge und die Eingliederung in die Umgebung des christlichen Abendlandes, wie es in der röm.-kath. Kirche ideal verkörpert ist.

Prägnant zusammengefaßt bedeutet Bekehrung also: raus aus dem alten, falschen Heidentum, rein in die Kirche. Inbegriff dieses Seitenwechsels ist die Umwendung der Verhältnisse und Gesinnung, also die “Konversion”, daher die Bezeichnung des schmidlinschen Ansatzes als “Konversionsmodell”.

 

Das “Plantationsmodell”

Ebenfalls maßgeblich im katholischen Bereich ist das sog. “Plantationsmodell” (lat. plantare = pflanzen) anzusiedeln. Ihre wichtigsten Vertreter, P. Charles und J. Masson, sehen als eigentliches Ziel von Mission nicht die Bekehrung von Menschen an. Vielmehr gilt die Bekehrung als Mittel zum Zweck der (vor allem räumlichen) Ausbreitung der sichtbaren Kirche.

Was den meisten von uns als zwei Seiten ein und derselben Medaille erscheinen mag, muß wiederum vor dem Hintergrund katholischer Ekklesiologie betrachtet werden. Wo Lutheraner und Protestanten allgemein stark zwischen der “unsichtbaren” Kirche (das ist die Summe derer, die “wahrhaft glauben” und daher statistisch nicht zu fassen sind) und der “sichtbaren” Kirche (also der Kirche in ihrer Verfaßtheit, statistisch anhand der Kirchenbücher zu erheben) unterscheiden, geht im Katholizismus das eine mit dem anderen einher:

Die röm.-kath. Kirche ist Kirche schlechthin – in ihr, in ihrem Glauben, ihren Sakramenten und ihren hierarchisch gegliederten Ämtern teilt sich die unsichtbare Kirche mit. Die röm.-kath. Kirche ist als solche “Sakrament der Welt”, “Sinn der Erde”, “Reich Gottes” (P. Charles) und so auch eigentliches Ziel der Mission.

 

Kritik

Konversionsmodell und Plantationsmodell gehören eng zusammen: in beiden nimmt die Kirche als juridisch verfaßtes Gebilde eine tragende Rolle ein. In perspektivischer Vertauschung gilt im Konversionsmodell die Kirche als Mittel für die Bekehrung (die auch als “Bekehrung zur Kirche” verstanden ist), während im Plantationsmodell die Bekehrung lediglich Mittel für den Zweck der räumlichen Ausbreitung der verfaßten Kirche ist.

Gegenstand der Kritik an beiden Modellen ist vor allem das hier festzustellende Verständnis des Menschen als Missionobjekt, das man unter dem Aspekt von Verdammnis und Rettung verrechnen kann. Wesen des Evangeliums ist aber gerade, daß der Mensch von Gott auf sein Subjektsein hin angesprochen wird, daß er durch Gottes Liebe in seinem unverwechselbaren und unaustauschbaren Ichsein konstituiert ist. Wo man also im Konversions- und Plantationsmodell (in Umkehrung eines bekannten Sprichwortes) “die Menschen vor lauter Kirche nicht mehr sieht”, so wollen die Kritiker wieder den Menschen in und mit seiner Würde herausstellen.

In Reinform sind die beiden Modelle heute praktisch nicht mehr existent, Ihre abgewandelten protestantischen “Entsprechungen” haben diese maßgeblich katholischen Entwürfe in den evangelikalen “Glaubensmissionen” (entspricht dem Konversionsmodell; Bekehrung gilt als Selbstzweck, die Funktion von Kirche und Gemeinde wird aber kaum noch reflektiert) und der sog. “Church Growth School” von D. McGravan (entspricht dem Plantationsmodell; gekennzeichnet durch gezielte strategische Arbeit für Gemeindewachstum, auch hier treten allerdings die ekklesiologisch-theologischen Voraussetzungen in den Hintergrund).

 

 

Als Anmerkung für diesen und alle folgenden Teile sei gesagt: bitte nutzt die Kommentarfunktion für Rückfragen, Verbesserungen, Kritik, Anregungen etc.! In dieser kompakten Form und aufgrund des Anliegens ist die Reihe teilweise zwangsläufig in Theologen-Deutsch verfaßt – ich kann aber, sofern Interesse und Bedarf besteht, gerne auch dolmetschend tätig werden. Also, traut Euch!

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Von Theolobias ♣ Freitag, 28. November 2008

 

Wo ich mir schon einmal die Mühe gemacht habe, David Deckers Kritik an der Emerging Church-Bewegung aufzugreifen und zu erweitern (siehe hier), möchte ich nicht verschweigen, daß David auf ekkaleo.de jetzt auch einen Beitrag mit dem Titel

Was ich an der Emerging Church liebe

veröffentlicht hat.

 

Ich persönlich kann da zwar nicht ganz so viel unterschreiben wie bei seinen Kritikpunkten, finde aber trotzdem noch einiges an Erwähnenswertem. Ich möchte es jedenfalls nicht versäumt haben, bei manchen Bauchschmerzen, die ich bei diesem Thema in einigen Punkten habe, auch meine grundsätzliche positive Bewertung dieser Bewegung zu unterstreichen.

 

Vielen Dank für diesen Artikel, David!

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Von Theolobias ♣ Donnerstag, 27. November 2008

“Mission” – belastet von allerlei historischen Fehlleistungen, Mißverständnissen, Halbwissen und Komplexen war sie in den vergangenen Jahrzehnten eher ein No-Go, eine Epoche in der Geschichte der Christenheit, die man meinte hinter sich lassen zu müssen, um einer friedlichen Koexistenz der Religionen Platz zu machen.

 

Mission Bis man auch in den großen Kirchen festgestellt hat, daß Kirche ihrem Wesen nach missionarisch ist: Kirche ohne Mission verkommt zum Interessenclub.

Gott sei Dank also ist das Thema Mission wieder in aller Munde (siehe dazu z.B. die neue Initiative für Mission des EMS – Klick aufs Bild).

Die alten Mißverständnisse allerdings sind geblieben, neue hinzugekommen. Damit das nicht so bleibt, habe ich mich entschlossen, hier auf theolobias.de eine Reihe zur “Theologie der Mission” zu starten.

Wo sonst beim Stichwort “Mission” alle möglichen treffenden und weniger treffenden Assoziationen in einen Topf geworfen und zu einem ungenießbaren Eintopf verwurstet werden, möchte ich mit einem knappen Überblick über verschiedene missionstheologische Ansätze ein bißchen Licht ins Dunkel bringen. Los geht es morgen mit einer Einführung in das sog. “Plantationsmodell”.

Übrigens mache ich das nicht ganz ohne Eigennutz: am Ende des Semesters habe ich selbst noch eine Prüfung in Missionswissenschaften abzulegen, die Blogreihe eignet sich so für mich auch wunderbar als Skript zur Vorbereitung. ;-)

 

Über Eure Rückmeldungen, Anregungen, Fragen und Kritik freue ich mich!

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