David Decker hat auf ekkaleo.de einen ganz hervorragenden Beitrag zur gleichen Überschrift veröffentlicht, dessen einzelne Punkte ich im großen und ganzen unterschreiben möchte – auch, wenn ich mich (wie David selbst ja auch) nicht als Emerging Church-Gegner betrachte.
Ich hätte noch einen weiteren Punkt hinzuzufügen, der an drei von David bereits genannte Aspekte anknüpft. Diese Aspekte sind namentlich
1. der Sachverhalt, daß die EC-Bewegung maßgeblich aus Berufstheologen besteht,
2. die strikte Trennung von Moderene und Postmoderne und die damit zusammenhängende Behauptung, so etwas wie Wahrheit gäbe es in menschlicher Perspektive nicht mehr, und
3. der Umstand, daß 2000 Jahre Kirchen- und Theologiegeschichte in der EC-Bewegung schnell mal übergangen bzw. mit wenigen “Argumenten” ad acta gelegt werden.
Ich formuliere meine Behauptung einfach mal ohne Rücksicht auf Verluste und etwas polemisch, weise aber gerne darauf hin, daß ich damit nicht jeden einzelnen EC-Bewegten meine, sich mir aber gleichwohl dieser Gesamteindruck ergibt:
Die Emerging Church-Bewegung ist eine Bewegung von Berufstheologen, die ihre Berufung verloren haben. Oder anders, noch frecher ausgedrückt: es ist eine Bewegung theologischer Mittelmäßigkeit.
Mit Berufung meine ich in diesem Falle nicht primär die geistliche Ebene (wie könnte ich das beurteilen), sondern das, was ich hochtrabend das “Berufsethos” eines Theologen nennen würde. Und dieses Ethos besteht nun einmal darin, eine Fülle von Wissen philologischer, historischer, theologischer, soziologischer Art usw. zu bündeln und verantwortlich für die Gestaltung von Kirche und Reich Gottes fruchtbar zu machen. Mit “verantwortlich” ist freilich angesprochen, daß solche Gestaltung z.B. ein Bemühen um Genauigkeit, Unvoreingenommenheit, strenges Denken und Argumentieren sowie einen wachen Blick voraussetzt.
Beim Lesen von EC-Programm- oder auch Streitschriften stelle ich leider nicht selten genau das Gegenteil fest: da wird – es gibt ja ohnehin nicht “die” Wahrheit – auf eine Art und Weise argumentiert, daß es mir die Socken auszieht: ignorant, halbgebildet (teilweise auch einfach ungebildet), undifferenziert, pauschalisierend und manchmal so “assoziativ”, daß es eigentlich schon gar keiner sachlich-argumentativen Begründung mehr bedürfte. So z.B., wenn man meint, 2000 Jahre Kirchen- und Theologiegeschichte so (und womöglich auch als so verfehlt) verstanden zu haben, daß man es jetzt richtig machen und das Kirchenmodell für die Postmoderne schlechthin entwickeln kann. Diese 2000 Jahre werden dann freilich vielleicht einmal in einem Nebensatz erwähnt, aber deutlich erkennbar eben nicht wirklich verarbeitet.
So sehr auf den Relativitätscharakter der Postmoderne verwiesen wird, so sehr nimmt sich die EC-Bewegung m.E. selbst zu ernst. Mir geht es gelegentlich gewaltig auf den Wecker, wenn irgendein Artikel erst einmal mindestens eine halbe Seite Einleitung braucht, um darauf hinzuweisen, daß das nachfolgend Geschriebene Emerging Church ist, ganz neu, ganz revolutionär, ganz anders als alles zuvor, und warum man selbst EC-Bewegter ist, wie das kam etc. pp. – bis man dann endlich einmal zur Sache kommt und auf den Punkt bringt, worum es eigentlich gehen soll. Dabei kommt es mir immer wieder so vor, als gehe es vor allem um Emerging Church selbst – und, wenn überhaupt, erst in einem zweiten Schritt dann um den Herrn der Kirche.
Für mich liegt darin auch der Grund für Davids Beobachtung, daß die Laien in der Emerging Church so wenig vorkommen. Wo eine Bewegung so stark von der Abgrenzung von einer (häufig falsch, unzureichend oder gar nicht verstandenen) langen theologischen und ekklesiologischen Tradition und dem damit verbundenen Zwang zur Selbsterfindung lebt, fühlen sich Laien oftmals einfach fehl am Platze – mit so viel Theologen-Eitelkeit (das ist in der Tat ein Problem, von dem ich mich gaaaaanz selbstkritisch auch nicht ausnehmen möchte …) können Menschen mit einem richtigen Beruf (
) nichts anfangen.
Noch einmal – ich bin kein Gegner der EC-Bewegung. Das geht schon deshalb nicht, weil diese nicht wirklich einheitlich, manchmal auch inhaltlich schwer greifbar ist und ich sie obendrein vielleicht auch nicht gründlich genug kenne. Ich denke nur, daß vieles, was hier an Inhalten vorkommt, gar nicht neu ist, sondern einfach etwas ganz altbewährtes, manchmal vielleicht auch tatsächlich eine Wiederentdeckung – das dann aber mit dem Label “EC” versehen und herumgezeigt wird.
Das ist dann in der Tat Postmoderne: das Label, das überall auftauchen, Inhalte kenntlich machen (oder ab und an auch übertünchen) muß – Hauptsache, man ist wer. Mir wäre es lieber, man steckte sich nicht selbst in eine schicke Schublade (hmm, ist so eine Haltung nicht auch postmodern? …), wirkt vielleicht etwas langweilig, dafür aber auch solider, bodenständiger, haltbarer.
Tags: Emerging Church
Der Verlag für die Deutsche Wirtschaft hat seinen diesjährigen Predigtpreis verliehen.
Preisträger ist Michael Putzke aus Kassel, Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche. Das ist mir eine Meldung wert, stamme ich doch selbst ursprünglich aus dieser evangelischen Freikirche.
Die Predigt ist unter folgendem Link nachzulesen: Predigt über “Das Mohnfeld” der Documenta 12
In der Tat eine sehr schöne, ansprechende Predigt!
Einen kleinen kritischen Hinweis kann ich mir dennoch nicht verkneifen, wenngleich ich nicht so recht weiß, ob er nun den Autoren oder die Preisverleiher trifft: eine preisgekrönte Predigt sollte schon einigermaßen ohne Rechtschreib- und Grammatikfehler veröffentlicht werden (von denen ich auf den ersten Blick bestimmt zwei Hände voll entdeckt habe) – auch das gehört zu gelungener Rhetorik!
Und wo wir schon bei der Predigt sind: Pastor Karl-Otto Scholz hat auf seinem Blog wieder eine wunderbare Predigt oder auch Meditation über Psalm 126 veröffentlicht: “In der Einsamkeit des Mondes“. Lesen!!!
David Decker von ekkaleo.de hat mir ein Stöckchen zugeworfen. Meine Aufgabe ist es, meine iTunes-Top-25-Titel zu veröffentlichen. Dem komme ich nun hiermit nach.
Ganz einfach war das nicht, habe ich doch erst gestern wieder meine iTunes-Bibliothek plattgemacht und neu eingelesen – es sind wieder einige Alben dazugekommen, und da ich regelmäßig den Überblick verliere, welche Alben schon in der Bibliothek vorhanden sind, erscheint mir das das einfachste Prozedere. Was ich für iTunes bräuchte, ist eine automatische Ordnerüberwachung wie etwa beim Windows Media Player. Bislang habe ich so ein iTunes-Plugin nur als Kaufsoftware entdeckt – hat jemand vielleicht einen Tipp für mich, wie sich das auch ohne Kosten realisieren läßt?
Das damit verbundene Problem war jedenfalls, daß natürlich kein aussagekräftiger Zählerstand vorhanden ist. Deshalb habe ich kurzerhand einmal manuell eine Liste erstellt, die aus meinen All-time-favourites einerseits sowie aus aktuellen Lieblingstiteln andererseits besteht. So eine Liste auf 25 Songs zu beschränken, ist angesichts von aktuell 13 526 Titeln (39,5 Tage Spielzeit, 75,36 Gigabyte Speicherplatz) in meiner Bibliothek eigentlich eine unzulässige Verkürzung
– ich habe bestimmt das fünf- bis zehnfache an “Lieblingsliedern”, die immer und immer wieder laufen. Trotzdem will ich mich nicht lumpen lassen – ich denke, der Screenshot zeigt wenigstens ansatzweise meine Präferenzen:
Deutlich erkennbar dürfte die bunte Stilmischung sein, angefangen beim “Godfather” guter Worship-Mucke, Johann Sebastian Bach, über melancholische Singer-Songwriter-Songs à la Philipp Poisel und Johnny Cash, Alternative-/Electronic-Klänge wie aktuell Polarkreis 18 bis hin zu Vertretern der härteren Gangart, hier z.B. Underoath, Anberlin und Pillar.
Wo ich mir diese Playlist so ansehe, komme ich auf den Gedanken, daß ich zu diesen Songs eigentlich einmal eine neue Artikelreihe auf diesem Blog ins Leben rufen könnte. Möchte jemand z.B. lesen, warum ich ausgerechnet diese Titel ausgewählt habe? Kommentare bitte unten.
Und damit dieses schöne Spielchen nicht bei mir verebbt, reiche ich das Stöcken weiter an:
Daniel Renz, Healing Cross, Godjes und Thomas Matterne.
Tags: iTunes-Top-25
Daß der Nordosten unserer Republik ein dünn besiedelter und strukturell schwacher Landstrich ist, wußte ich schon lange.
Ein Blick auf meine Google Analytics-Daten bestätigt mir nun auch, was ich zwar schon lange vermutet hatte, aber noch nie so richtig belegen konnte: im Herzen Deutschlands herrscht tote Hose, gähnende Leere, da ist nada, nix, niente, null.
Hier nun der Beweis in Form eines Screenshot der Zugriffsorte auf theolobias.de vom 30. Oktober:
Das nächste Mal, wenn ich auf der A7 fahre, werde ich sehr genau aufpassen, ob die sichtbaren Städte wie Bad Hersfeld, Kassel und Göttingen evtl. nur aus Pappkulissen bestehen und die sonstigen ausgeschilderten Orte vielleicht nur Fakes sind. Vergleichbares kennt man ja schon von Bielefeld (siehe hier und hier).
Etwas Gutes hat dieses klaffende Loch immerhin, zumindest für alle Islam-Verschwörungstheoretiker, die in den vergangenen Tagen fälschlicherweise schon einen Mitstreiter in mir zu entdecken glaubten: wo nix is, kann auch keine Moschee gebaut werden.
Da ich es gestern schon von der Atheismus-Debatte zwischen Richard Dawkins und John Lennox hatte, hier im Nachtrag noch eine wunderbare Blüte (pseudo)atheistischen Missionseifers:
“Gott ist tot. Oder nicht?“, ein Beitrag auf ZEIT ONLINE.
Immerhin: die für diese Aktion Verantwortlichen haben offensichtlich die Bibel gelesen und sich vorsorglich mit der Einfügung des Wörtchens “probably” u.a. gegen den Vorwurf von Psalm 10,4, Psalm 14,1 und Psalm 53,2 abgesichert. Ob die Strategie aufgeht?
Und: ist diesen “Atheisten” eigentlich der kleine Unterschied zwischen Atheismus und Agnostizismus überhaupt nicht aufgefallen?
Tags: Agnostizismus, Atheismus, John Lennox, London-Bus, Richard Dawkins
Ich spiele mal wieder Euren persönlichen RSS-Reader: zwei lesens- und beachtenswerte Artikel wurden heute vom christlichen Medienmagazin “pro” veröffentlicht:
Zum einen eine Darstellung der Atheismus-Debatte zwischen Richard Dawkins (“Der Gotteswahn”) und dem Oxford-Mathematikprofessor John Lennox (“Hat die Wissenschaft Gott begraben?”). Wem es bislang zu anstrengend war, sich näher mit Dawkins relativ niveauloser “Religionskritik” zu beschäftigen, dem sei dieser Artikel als Einstieg und Appetitmacher empfohlen. Ebenfalls für Einsteiger lesenswert in diesem Zusammenhang: “Der Atheismus-Wahn” von Alister McGrath.
Zum anderen berichtet “pro” über die neue Werbekampagne für Mission des Evangelischen Missionswerks in Deutschland. Nicht nur angesichts der sog. “neuen Atheisten” eine begrüßenswerte Initiative!
Tags: Alister McGrath, Atheismus, EMS, John Lennox, Mission, Richard Dawkins


Letzte Kommentare