Von Theolobias ♣ Samstag, 22. November 2008

David Decker hat auf ekkaleo.de einen ganz hervorragenden Beitrag zur gleichen Überschrift veröffentlicht, dessen einzelne Punkte ich im großen und ganzen unterschreiben möchte – auch, wenn ich mich (wie David selbst ja auch) nicht als Emerging Church-Gegner betrachte.

 

Ich hätte noch einen weiteren Punkt hinzuzufügen, der an drei von David bereits genannte Aspekte anknüpft. Diese Aspekte sind namentlich

1. der Sachverhalt, daß die EC-Bewegung maßgeblich aus Berufstheologen besteht,

2. die strikte Trennung von Moderene und Postmoderne und die damit zusammenhängende Behauptung, so etwas wie Wahrheit gäbe es in menschlicher Perspektive nicht mehr, und

3. der Umstand, daß 2000 Jahre Kirchen- und Theologiegeschichte in der EC-Bewegung schnell mal übergangen bzw. mit wenigen “Argumenten” ad acta gelegt werden.

 

Ich formuliere meine Behauptung einfach mal ohne Rücksicht auf Verluste und etwas polemisch, weise aber gerne darauf hin, daß ich damit nicht jeden einzelnen EC-Bewegten meine, sich mir aber gleichwohl dieser Gesamteindruck ergibt:

 

Die Emerging Church-Bewegung ist eine Bewegung von Berufstheologen, die ihre Berufung verloren haben. Oder anders, noch frecher ausgedrückt: es ist eine Bewegung theologischer Mittelmäßigkeit.

 

Mit Berufung meine ich in diesem Falle nicht primär die geistliche Ebene (wie könnte ich das beurteilen), sondern das, was ich hochtrabend das “Berufsethos” eines Theologen nennen würde. Und dieses Ethos besteht nun einmal darin, eine Fülle von Wissen philologischer, historischer, theologischer, soziologischer Art usw. zu bündeln und verantwortlich für die Gestaltung von Kirche und Reich Gottes fruchtbar zu machen. Mit “verantwortlich” ist freilich angesprochen, daß solche Gestaltung z.B. ein Bemühen um Genauigkeit, Unvoreingenommenheit, strenges Denken und Argumentieren sowie einen wachen Blick voraussetzt.

Beim Lesen von EC-Programm- oder auch Streitschriften stelle ich leider nicht selten genau das Gegenteil fest: da wird – es gibt ja ohnehin nicht “die” Wahrheit – auf eine Art und Weise argumentiert, daß es mir die Socken auszieht: ignorant, halbgebildet (teilweise auch einfach ungebildet), undifferenziert, pauschalisierend und manchmal so “assoziativ”, daß es eigentlich schon gar keiner sachlich-argumentativen Begründung mehr bedürfte. So z.B., wenn man meint, 2000 Jahre Kirchen- und Theologiegeschichte so (und womöglich auch als so verfehlt) verstanden zu haben, daß man es jetzt richtig machen und das Kirchenmodell für die Postmoderne schlechthin entwickeln kann. Diese 2000 Jahre werden dann freilich vielleicht einmal in einem Nebensatz erwähnt, aber deutlich erkennbar eben nicht wirklich verarbeitet.

 

Emerging Church So sehr auf den Relativitätscharakter der Postmoderne verwiesen wird, so sehr nimmt sich die EC-Bewegung m.E. selbst zu ernst. Mir geht es gelegentlich gewaltig auf den Wecker, wenn irgendein Artikel erst einmal mindestens eine halbe Seite Einleitung braucht, um darauf hinzuweisen, daß das nachfolgend Geschriebene Emerging Church ist, ganz neu, ganz revolutionär, ganz anders als alles zuvor, und warum man selbst EC-Bewegter ist, wie das kam etc. pp. – bis man dann endlich einmal zur Sache kommt und auf den Punkt bringt, worum es eigentlich gehen soll. Dabei kommt es mir immer wieder so vor, als gehe es vor allem um Emerging Church selbst – und, wenn überhaupt, erst in einem zweiten Schritt dann um den Herrn der Kirche.

 

Für mich liegt darin auch der Grund für Davids Beobachtung, daß die Laien in der Emerging Church so wenig vorkommen. Wo eine Bewegung so stark von der Abgrenzung von einer (häufig falsch, unzureichend oder gar nicht verstandenen) langen theologischen und ekklesiologischen Tradition und dem damit verbundenen Zwang zur Selbsterfindung lebt, fühlen sich Laien oftmals einfach fehl am Platze – mit so viel Theologen-Eitelkeit (das ist in der Tat ein Problem, von dem ich mich gaaaaanz selbstkritisch auch nicht ausnehmen möchte …) können Menschen mit einem richtigen Beruf ( ;-) ) nichts anfangen.

 

Noch einmal – ich bin kein Gegner der EC-Bewegung. Das geht schon deshalb nicht, weil diese nicht wirklich einheitlich, manchmal auch inhaltlich schwer greifbar ist und ich sie obendrein vielleicht auch nicht gründlich genug kenne. Ich denke nur, daß vieles, was hier an Inhalten vorkommt, gar nicht neu ist, sondern einfach etwas ganz altbewährtes, manchmal vielleicht auch tatsächlich eine Wiederentdeckung – das dann aber mit dem Label “EC” versehen und herumgezeigt wird.

Das ist dann in der Tat Postmoderne: das Label, das überall auftauchen, Inhalte kenntlich machen (oder ab und an auch übertünchen) muß – Hauptsache, man ist wer. Mir wäre es lieber, man steckte sich nicht selbst in eine schicke Schublade (hmm, ist so eine Haltung nicht auch postmodern? …), wirkt vielleicht etwas langweilig, dafür aber auch solider, bodenständiger, haltbarer.

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Von Theolobias ♣ Donnerstag, 20. November 2008

Der Verlag für die Deutsche Wirtschaft hat seinen diesjährigen Predigtpreis verliehen.

 

Preisträger ist Michael Putzke aus Kassel, Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche. Das ist mir eine Meldung wert, stamme ich doch selbst ursprünglich aus dieser evangelischen Freikirche.

 

Michael Putzke Die Predigt ist unter folgendem Link nachzulesen: Predigt über “Das Mohnfeld” der Documenta 12

 

In der Tat eine sehr schöne, ansprechende Predigt!

Einen kleinen kritischen Hinweis kann ich mir dennoch nicht verkneifen, wenngleich ich nicht so recht weiß, ob er nun den Autoren oder die Preisverleiher trifft: eine preisgekrönte Predigt sollte schon einigermaßen ohne Rechtschreib- und Grammatikfehler veröffentlicht werden (von denen ich auf den ersten Blick bestimmt zwei Hände voll entdeckt habe) – auch das gehört zu gelungener Rhetorik! ;-)

 

Und wo wir schon bei der Predigt sind: Pastor Karl-Otto Scholz hat auf seinem Blog wieder eine wunderbare Predigt oder auch Meditation über Psalm 126 veröffentlicht: “In der Einsamkeit des Mondes“. Lesen!!!

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Von Theolobias ♣ Freitag, 14. November 2008

David Decker von ekkaleo.de hat mir ein Stöckchen zugeworfen. Meine Aufgabe ist es, meine iTunes-Top-25-Titel zu veröffentlichen. Dem komme ich nun hiermit nach.

 

Ganz einfach war das nicht, habe ich doch erst gestern wieder meine iTunes-Bibliothek plattgemacht und neu eingelesen – es sind wieder einige Alben dazugekommen, und da ich regelmäßig den Überblick verliere, welche Alben schon in der Bibliothek vorhanden sind, erscheint mir das das einfachste Prozedere. Was ich für iTunes bräuchte, ist eine automatische Ordnerüberwachung wie etwa beim Windows Media Player. Bislang habe ich so ein iTunes-Plugin nur als Kaufsoftware entdeckt – hat jemand vielleicht einen Tipp für mich, wie sich das auch ohne Kosten realisieren läßt?

 

Das damit verbundene Problem war jedenfalls, daß natürlich kein aussagekräftiger Zählerstand vorhanden ist. Deshalb habe ich kurzerhand einmal manuell eine Liste erstellt, die aus meinen All-time-favourites einerseits sowie aus aktuellen Lieblingstiteln andererseits besteht. So eine Liste auf 25 Songs zu beschränken, ist angesichts von aktuell 13 526 Titeln (39,5 Tage Spielzeit, 75,36 Gigabyte Speicherplatz) in meiner Bibliothek eigentlich eine unzulässige Verkürzung ;-) – ich habe bestimmt das fünf- bis zehnfache an “Lieblingsliedern”, die immer und immer wieder laufen. Trotzdem will ich mich nicht lumpen lassen – ich denke, der Screenshot zeigt wenigstens ansatzweise meine Präferenzen:

 

Theolobias Top 25

 

Deutlich erkennbar dürfte die bunte Stilmischung sein, angefangen beim “Godfather” guter Worship-Mucke, Johann Sebastian Bach, über melancholische Singer-Songwriter-Songs à la Philipp Poisel und Johnny Cash, Alternative-/Electronic-Klänge wie aktuell Polarkreis 18 bis hin zu Vertretern der härteren Gangart, hier z.B. Underoath, Anberlin und Pillar.

 

Wo ich mir diese Playlist so ansehe, komme ich auf den Gedanken, daß ich zu diesen Songs eigentlich einmal eine neue Artikelreihe auf diesem Blog ins Leben rufen könnte. Möchte jemand z.B. lesen, warum ich ausgerechnet diese Titel ausgewählt habe? Kommentare bitte unten.

 

Und damit dieses schöne Spielchen nicht bei mir verebbt, reiche ich das Stöcken weiter an:

Daniel Renz, Healing Cross, Godjes und Thomas Matterne.

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Von Theolobias ♣ Donnerstag, 06. November 2008

Dieser Kelch ist gerade nochmal an Bayern vorübergegangen: Dr. Georg Barfuß, FDP-Politiker, wird nach einem Bericht der Augsburger Allgemeinen definitiv nicht neuer Integrationsbeauftragter des Landes Bayern.

 

So habe Barfuß die FDP-Landtagsfraktion darum gebeten, ihn von seiner Kandidatur zu entbinden, um “Schaden vom Amt eines künftigen Integrationsbeauftragten abzuwenden”.

Nun mag dieses Amt für Herrn Barfuß ganz offensichtlich höchste Priorität gehabt haben und damit besonders schützenswert sein – wie auch immer: mit seiner Entscheidung hat er, wohl ohne sich darüber im Klaren zu sein, vor allem Schaden vom Land Bayern und der Bundesrepublik Deutschland abgewendet. Wenigstens dafür gebührt im Respekt.

 

Wer sich ein umfassenderes Bild des von mir einfach als “Scharia-Affäre” bezeichneten Vorfalls machen möchte, sei auf folgende Beiträge auf diesem Blog hingewiesen:

 

Offenes Schreiben an den Integrationsbeauftragten des Landes Bayern

Erfolg für offenes Schreiben

Nachtrag zur “Scharia-Affäre”

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Von Theolobias ♣ Samstag, 01. November 2008

Daß der Nordosten unserer Republik ein dünn besiedelter und strukturell schwacher Landstrich ist, wußte ich schon lange.

 

Ein Blick auf meine Google Analytics-Daten bestätigt mir nun auch, was ich zwar schon lange vermutet hatte, aber noch nie so richtig belegen konnte: im Herzen Deutschlands herrscht tote Hose, gähnende Leere, da ist nada, nix, niente, null.

 

Hier nun der Beweis in Form eines Screenshot der Zugriffsorte auf theolobias.de vom 30. Oktober:

 

Google Analytics

 

Das nächste Mal, wenn ich auf der A7 fahre, werde ich sehr genau aufpassen, ob die sichtbaren Städte wie Bad Hersfeld, Kassel und Göttingen evtl. nur aus Pappkulissen bestehen und die sonstigen ausgeschilderten Orte vielleicht nur Fakes sind. Vergleichbares kennt man ja schon von Bielefeld (siehe hier und hier).

 

Etwas Gutes hat dieses klaffende Loch immerhin, zumindest für alle Islam-Verschwörungstheoretiker, die in den vergangenen Tagen fälschlicherweise schon einen Mitstreiter in mir zu entdecken glaubten: wo nix is, kann auch keine Moschee gebaut werden.

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Von Theolobias ♣ Freitag, 31. Oktober 2008

Durch eine Pressemitteilung der CSU-Landtagsfraktion bin ich im übrigen darauf aufmerksam geworden, daß Dr. Georg Barfuß nicht nur inhaltlich skandalöse Aussagen in Bezug auf die Anwendbarkeit der Scharia in der Bundesrepublik Deutschland sowie auf die Situation von Christen in der Türkei gemacht hat – nein, es kommt auch noch in formaler Hinsicht ganz dick:

 

So hat der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion, Karl Freller, klargestellt, daß Herr Barfuß keineswegs schon als Integrationsbeauftragter der bayerischen Landesregierung nominiert war – es sei bislang lediglich festgelegt gewesen, daß der Integrationsbeauftragte von der FDP berufen und dann von der Staatsregierung ernannt werden solle (siehe hier).

 

Herr Barfuß hat sich also entweder selbst ernannt, oder er hat einen von der FDP gefaßten Entschluß, der aber von der Staatsregierung noch gar nicht abgesegnet war, als fix ausgegeben. Schon alleine deswegen wird er jetzt wohl auf seinen erhofften Posten verzichten müssen.

 

Mein offenes Schreiben an Herrn Barfuß müßte ich daher natürlich umformulieren, war ich doch bislang davon ausgegangen, daß er als künftiger Integrationsbeauftragter bereits feststeht (so wurde das auch von Bayern 2 transportiert). Den Aufwand gebe ich mir aber nicht – in inhaltlicher Hinsicht sehe ich bei dem offenen Schreiben keinen Veränderungsbedarf.

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Von Theolobias ♣ Freitag, 31. Oktober 2008

Da sage mal noch einer, der “kleine Mann” könne ohne eine starke Partei oder die richtigen Lobbyisten im Rücken nichts bewegen!

 

Nachdem ich vorgestern das Radio-Interview von Bayern 2 mit Herrn Barfuß gehört und direkt im Anschluß daran ein offenes Schreiben an diesen verfaßt, dieses offene Schreiben der Bayern-FDP sowie Herrn Ministerpräsidenten Seehofer zur Kenntnisnahme und Bitte um ein Absehen von der Nominierung von Herrn Barfuß gebeten hatte (nachzulesen unter diesem Link), klingelte die Bude:

Hunderte von Zugriffen auf dieses Blog innerhalb kürzester Zeit, Anrufe, Kommentare, eMails. Etwa zeitgleich hatte auch die sog. “Bürgerbewegung Pax Europa e.V.” einen offenen Brief an Herrn Barfuß veröffentlicht und diesen sowie mein offenes Schreiben an Zeitungen in ganz Bayern weitergeleitet.

 

Georg Barfuß 2 Heute nun erfolgte bereits die Reaktion darauf: mehrere Online-Angebote (z.B. sueddeutsche.de, SPIEGEL online) sowie Printmedien (Nürnberger Nachrichten u.a.) berichten davon, die Äußerungen des FDP-Mannes Barfuß seien auf heftige Kritik beim Koalitionspartner von der CSU gestoßen.

Es dürfte damit äußerst unwahrscheinlich sein, daß Herr Barfuß sein neues Amt als Integrationsbeauftragter der bayerischen Landesregierung überhaupt noch antreten kann – und falls doch: die Publicity, die dieser Vorgang gefunden hat, dürfte ihn mit seiner plan- und ahnungslosen “Ingetrationspolitik” vorerst in die Schranken gewiesen haben.

 

Bei der ein oder anderen Gelegenheit scheint Herr Barfuß mittlerweile ebenfalls reagiert zu haben, und natürlich weist er nun darauf hin, er sei lediglich “mißverstanden” worden – was angesichts des Wortlautes des genannten Interviews nicht mehr als den unglücklichen Versuch darstellt, die eigene Karriere zu retten. Die Äußerungen von Herrn Barfuß waren und sind eindeutig und ebenso eindeutig zu verurteilen. Ich bleibe daher dabei, daß die einzig angemessene Reaktion eine eindeutige Entschuldigung von Herrn Barfuß sowie der Verzicht auf den Posten eines Integrationsbeauftragten (bzw. seitens der Landesregierung die Verweigerung dieses Postens) sein kann und darf.

 

 

Zum Schluß noch zwei etwas längere Bemerkungen, die mir sehr wichtig sind:

1. Bei Themen wie diesen passiert es leider sehr schnell, daß der braune Mob und seine Sympathisanten eine wunderbare Gelegenheit zum Trittbrettfahren wittern. So behauptet z.B. ein sehr bekanntes Blog, das ich hier nicht namentlich erwähnen möchte, weil es immer wieder durch eindeutig rassistische Artikel aufzufallen weiß, die Äußerungen von Herrn Barfuß “aufgedeckt” zu haben, was natürlich kompletter Blödsinn ist: man kann nichts “aufdecken”, was bereits von einem öffentlich-rechtlichen Radiosender ausgestrahlt und in einem vorherigen Interview bei der taz wiedergegeben worden ist.

Ich glaube, ich muß nicht noch deutlicher erwähnen, daß ich mit diesem “politischen” Spektrum mindestens ebensowenig zu tun habe wie mit den linksideologisch-ahnungslosen Parolen eines Herrn Barfuß. So möchte ich nochmals ausdrücklich erwähnen, daß es mir um nichts anderes ging und geht als um die in meinem offenen Schreiben an Herrn Barfuß angesprochenen Kritikpunkte. So werde ich auch zukünftig sämtliche Kommentare auf diesem Blog, die bei mir den Verdacht auf einen rassistischen oder anderweitig rechtsradikalen Hintergrund wecken, löschen!

 

2. Was die “Bürgerbewegung Pax Europa e.V.” (BPE) angeht: mir war dieser Verein bislang nur vom Hörensagen bekannt. Ich hatte gestern und heute mit einem Vertreter dieser Bürgerbewegung jeweils ein kurzes informatives Gespräch, was ich angesichts dessen, was mir über diesen Verein bekannt war und ist, legitim erschien und nach wie vor legitim erscheint.

Ich weise allerdings dennoch ausdrücklich darauf hin, daß ich zu keinem Zeitpunkt – abgesehen von den bereits genannten zwei rein informativen Telefonaten sowie zwei kurzen und teils kritischen Kommentaren zu deren offenen Brief – in irgendeiner Verbindung zur BPE gestanden habe oder dies in Zukunft zu tun gedenke.

So kann ich etwa die Darstellung “des” Islam, wie sie von der BPE in der Broschüre “Das Islam-Prinzip” vertreten wird, definitiv nicht teilen und wehre mich entschieden dagegen, in irgendeiner Art und Weise in die Nähe einer pauschalisierenden Islam-Kritik gerückt zu werden. So teile ich auch nicht die vom Gründer der BPE, Herrn Dr. Udo Ulfkotte, vertretene Auffassung, “der” Islam sei an sich eine Bedrohung unserer Demokratie. Ich gehe vielmehr davon aus, daß es sowohl starke Strömungen im Islam gibt, auf die diese Beschreibung zutrifft, wie auch starke Strömungen im Islam, auf die dieser Verdacht nicht zutrifft – zu letzteren würde ich nach wie vor den Großteil der in Deutschland lebenden Muslime rechnen.

Noch einmal: der genannte Kontakt zur BPE beschränkte sich ausschließlich auf einige Informationen über Pressemitteilungen und die Vorgänge in der neuen bayerischen Landesregierung, die in diesen Pressemitteilungen zur Sprache kommen, sowie auf meine zwei genannten Kommentare zum offenen Brief der BPE.

Ich möchte die BPE mit dieser Distanzierung weder in ein grundsätzlich schlechtes Licht rücken, noch möchte ich sie verteidigen: meine Kenntnisse über die BPE erstrecken sich nicht so weit, um das eine oder andere voll und ganz verantworten zu können. Vielmehr ist meine Distanzierung ein Ausdruck dafür, daß ich ausschließlich für das von mir verfaßte offene Schreiben verantwortlich bin und weiterhin nicht beabsichtige, mich künftig irgendeinem Aktionsbündnis anzuschließen, mit dem ich mich nicht hundertprozentig identifizieren kann.

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Von Theolobias ♣ Mittwoch, 29. Oktober 2008

Da ich es gestern schon von der Atheismus-Debatte zwischen Richard Dawkins und John Lennox hatte, hier im Nachtrag noch eine wunderbare Blüte (pseudo)atheistischen Missionseifers:

Gott ist tot. Oder nicht?“, ein Beitrag auf ZEIT ONLINE.

Agnostischer Omnibus

Immerhin: die für diese Aktion Verantwortlichen haben offensichtlich die Bibel gelesen und sich vorsorglich mit der Einfügung des Wörtchens “probably” u.a. gegen den Vorwurf von Psalm 10,4, Psalm 14,1 und Psalm 53,2 abgesichert. Ob die Strategie aufgeht?

Und: ist diesen “Atheisten” eigentlich der kleine Unterschied zwischen Atheismus und Agnostizismus überhaupt nicht aufgefallen?

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Von Theolobias ♣ Mittwoch, 29. Oktober 2008

Heute früh wurde vom Radiosender Bayern 2 ein Interview mit dem designierten Integrationsbeauftragten des Landes Bayern, Dr. Georg Barfuß, gesendet.

 

Georg Barfuß In diesem Interview wurden von Herrn Barfuß u.a. Aussagen zur Anwendung von Teilen der Scharia in der Bundesrepublik Deutschland und zur Problematik des Kirchenbaus in der Türkei getroffen, die mich regelrecht fassungslos gemacht haben. Ich habe es daher für notwendig erachtet, Herrn Barfuß eine eMail zu schreiben, die ich hiermit öffentlich einsehbar mache und die mittlerweile auch dem Ministerpräsidenten des Landes Bayern, Herrn Horst Seehofer, zur Kenntnisnahme zugesandt wurde.

 

Sollte jemand von Euch ebenfalls in Bayern wohnen oder sich irgendwie anderweitig mit diesem schönen Bundesland verbunden fühlen, so genehmige ich hiermit ausdrücklich die Weiterverwendung der unten abgebildeten eMail – etwa zu dem Zwecke einer Vorlage für weitere Schreiben an den künftigen Integrationsbeauftragten des Landes Bayern. Kontaktdaten hierzu finden sich auf der Homepage von Dr. Georg Barfuß. Alternativ oder zusätzlich dazu kann ein ähnliches Schreiben natürlich auch einem anderen Vertreter der bayerischen Landesregierung zur Kenntnisnahme zugesandt werden, etwa über das eMail-Formular von Ministerpräsident Horst Seehofer. – am besten verbunden mit der bereits in meiner eMail angedeuteten Bitte, die Nominierung von Herrn Barfuss zum Integrationsbeauftragten zu überdenken bzw. aufzuheben.

 

Hier nun der Text der von mir verfaßten eMail:

 

 

Sehr geehrter Herr Barfuß!

 

Als Integrationsbeauftragter der neuen bayerischen Landesregierung haben Sie den Auftrag, mit Ihrem Amt verantwortliche Politik im Sinne der Bürgerinnen und Bürger Bayerns zu betreiben.

Nachdem ich Ihr heute ausgestrahltes Radio-Interview auf BR2 gehört habe, wage ich zu bezweifeln, daß Sie dazu auch nur ansatzweise in der Lage sind.

 

So sagen Sie in Blick auf unser Rechtssystem: „Die Scharia, wo sie kompatibel ist, kann man anwenden“. Das ist, mit Verlaub, ahnungsloser und grob fahrlässiger Blödsinn. Es gehört zum Selbstverständnis der Scharia, daß sie nicht zerstückelt werden kann, sondern in allen ihren Teilen auf dem unbedingten und unabänderlichen Willen Gottes gründet – und das (mit ein paar Ausnahmen) für alle Menschen, also auch für Nichtmuslime! Wo muslimischen Bürgern unserer Landes gewährt wird, Teile der Scharia anzuwenden, ist der Schritt zu deren Wunsch bzw. unter Umständen sogar zu deren Forderung, die ganze Scharia anwenden zu dürfen, nicht weit. Daß dieses Mißverständnis einer Kompatibilität des deutschen Rechtssystems mit der islamischen Scharia in unserem Land immer wieder z.B. in Ehrenmorden, Zwangsheiraten etc. zum Ausdruck kommt, sollte Ihnen bekannt sein.

Wo die Scharia “kompatibel” zu deutschem Recht ist, kann es keinesfalls sie sein, die angewendet wird – nein: dort, wo die Scharia “kompatibel” zum deutschen Recht ist, kann das für Muslime allenfalls ein Grund zur Freude darüber sein, daß das deutsche Recht ihnen hier nichts zumutet, was ihnen nicht schon von der Scharia zugemutet würde. Anwendung findet in Deutschland allerdings in jedem Fall das geltende deutsche Recht!

Mit Ihrer Rede von “Kompatibilitäten” unterschiedlicher Rechtssysteme suggerieren Sie, daß es letztlich nur um deren konkrete Gesetzesgestalt und Umsetzung, nicht aber um die generelle Grundlegung dieser Rechtssysteme geht. Das in Deutschland geltende Recht besteht nun aber keineswegs einfach in der Summe deutscher Gesetze, sondern findet seine Grundlegung im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, das in wesentlichen Teilen mit der Grundlegung der Scharia unvereinbar ist, so z.B. hinsichtlich unveräußerlicher Menschenrechte. Sollte Ihnen dieser Sachverhalt bislang nicht oder nur unzureichend bekannt gewesen sein, so möchte ich Sie hiermit dringend darum bitten, Ihren Kenntnisstand zu erweitern, bevor Sie sich anmaßen, öffentlich über die Möglichkeit der Anwendung islamischen Rechts in der Bundesrepublik Deutschland zu sprechen.

 

Desweiteren sagen Sie: „Ich brauch’ a in der Türkei keine Kirchen, wenn’s keine Christen gibt“. Ich entnehme diesem Satz, daß Sie davon ausgehen, es gäbe in der Türkei keine Christen – oder immerhin nur so wenige, daß ein weiterer Kirchenbau nicht notwendig oder wünschenswert sei.

Sie scheinen sich nicht darüber im Klaren zu sein, daß es in der Türkei nach wie vor massive Menschenrechtsverletzungen in Form von Diskriminierung bis hin zu vereinzelten Verfolgungen von Christen und anderer Minderheiten gibt. Die Zahl der Christen in der Türkei wird mit mindestens 125.000 beziffert. Eine adäquate Zahl von Kirchen für diese Menschen gibt es nicht, Anträge auf Kirchenbau werden von der türkischen Regierung so gut wie immer abgelehnt, Pfarrer und Religionslehrer dürfen in der Türkei nicht ausgebildet werden, christliche Hochschulen dürfen gar nicht erst gegründet werden – im Gegensatz zu islamischen. Die Tatsache, daß es überhaupt nur noch so wenige Christen in der Türkei gibt, beruht unter anderem auf der Verfolgung der überwiegend dem Christentum angehörenden Armenier im Osmanischen Reich des 20. Jahrhunderts, die von der Türkei bis heute bestritten wird. In den 60er Jahren kam es in der Türkei zu staatlich inszenierten Pogromen gegen nichtmuslimische Minderheiten, denen auch zahlreiche Christen zum Opfer fielen.

Das sind nur einige wenige Beispiele für die Situation von Christen in der Türkei. Auch hier sollten Sie sich unbedingt um eine Erweiterung Ihrer Kenntnisse bemühen, einschlägige Literatur gibt es zuhauf, die wenigen deutschsprachigen christlichen Pfarrer in der Türkei stehen Ihnen hier sicherlich auch gerne Rede und Auskunft.

Angesichts dieses Sachverhaltes jedenfalls stellen Ihre Aussagen eine Beleidigung und Verhöhnung der in der Türkei lebenden Christen dar. Es ist eine maßlose Unverschämtheit, in Ihrer Funktion als designierter Integrationsbeauftragter der neuen bayerischen Landesregierung in einem Interview lapidare Sätze wie etwa den oben zitierten zu formulieren. Ich erwarte von Ihnen dafür nichts anderes als eine öffentliche Entschuldigung.

 

Der grundsätzliche Eindruck, der sich mir durch Ihr Interview ergibt, ist der, daß Sie für das Amt eines Integrationsbeauftragten gänzlich ungeeignet sind – verfügen Sie doch nicht einmal über grundlegende Kenntnisse etwa in Blick auf die Religionsproblematik, um auch nur ansatzweise verantwortliche Integrationspolitik betreiben zu können. Die Naivität und Unbedachtheit Ihrer Argumentation ist erschreckend und hat nicht einmal etwas am Stammtisch verloren, ganz bestimmt aber nicht in der Politik des Freistaates Bayern.

Nun fürchte ich, daß Sie nicht selbst zu dieser Einsicht kommen und deshalb auch nicht auf den Posten des Integrationsbeauftragten verzichten werden – auch, wenn ich diesen Schritt für den einzig angemessenen halte. Ich werde deshalb im Rahmen meiner Möglichkeiten auf Ihre Nichteignung für diesen Posten hinweisen, indem ich diese an Sie gerichtete eMail unter www.theolobias.de öffentlich einsehbar mache und darüber hinaus dem Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern, Herrn Seehofer, zur Kenntnisnahme zukommen lasse, verbunden mit der Bitte, Ihre Nominierung für das Amt des Integrationsbeauftragten zu überdenken und bestenfalls aufzuheben.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Tobias Lampert

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Von Theolobias ♣ Dienstag, 28. Oktober 2008

Ich spiele mal wieder Euren persönlichen RSS-Reader: zwei lesens- und beachtenswerte Artikel wurden heute vom christlichen Medienmagazin “pro” veröffentlicht:

 

Zum einen eine Darstellung der Atheismus-Debatte zwischen Richard Dawkins (“Der Gotteswahn”) und dem Oxford-Mathematikprofessor John Lennox (“Hat die Wissenschaft Gott begraben?”). Wem es bislang zu anstrengend war, sich näher mit Dawkins relativ niveauloser “Religionskritik” zu beschäftigen, dem sei dieser Artikel als Einstieg und Appetitmacher empfohlen. Ebenfalls für Einsteiger lesenswert in diesem Zusammenhang: “Der Atheismus-Wahn” von Alister McGrath.

 

Zum anderen berichtet “pro” über die neue Werbekampagne für Mission des Evangelischen Missionswerks in Deutschland. Nicht nur angesichts der sog. “neuen Atheisten” eine begrüßenswerte Initiative!

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