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	<title>theolobias.de &#187; Bibel</title>
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	<description>rund um Musik, Glaube, Theologie, Zeitgeschehen &#38; mehr</description>
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		<title>Was ist ein &#8220;Urtext&#8221;?</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Aug 2008 08:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Theolobias</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gemeinde & Theologie]]></category>
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		<category><![CDATA[Neues Testament]]></category>
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		<description><![CDATA[Immer wieder geistert in Berichten, theologischen Diskussionen etc. der Begriff &#8220;Urtext&#8221; auf. Was mir dabei auffällt, ist, daß er in bestimmt der Hälfte aller Fälle falsch oder zumindest sehr mißverständlich gebraucht wird. Jüngstes Beispiel ist eine Meldung des Evangelischen Pressedienstes zu einem Projekt der Uni Münster. Die Überschrift lautet: &#8220;Uni Münster will Urtext des Neuen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="border-right: 0px; border-top: 0px; margin: 0px 10px 0px 0px; border-left: 0px; border-bottom: 0px" src="http://www.theolobias.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/08/urtext.jpg" border="0" alt="urtext" width="204" height="154" align="left" /></p>
<p>Immer wieder geistert in Berichten, theologischen Diskussionen etc. der Begriff &#8220;Urtext&#8221; auf. Was mir dabei auffällt, ist, daß er in bestimmt der Hälfte aller Fälle falsch oder zumindest sehr mißverständlich gebraucht wird.</p>
<p>Jüngstes Beispiel ist eine <a href="http://www.epd.de/nachrichten/nachrichten_index_57310.html" target="_blank">Meldung des Evangelischen Pressedienstes zu einem Projekt der Uni Münster</a>. Die Überschrift lautet: &#8220;Uni Münster will Urtext des Neuen Testaments rekonstruieren&#8221;. Der Leser wird hier (sofern er nicht mit den Problemen der Textforschung vertraut ist) sofort daran denken, die in diesem Projekt arbeitenden Textforscher hätten die Absicht, herauszufinden oder gar zu beweisen, welchen Textlaut das Neue Testament ursprünglich hatte, was genau also etwa Paulus selbst einst formuliert hat &#8211; um damit alle anderen vorhandenen Handschriften, aus denen ein vollständiger Text des Neuen Testaments zusammengesetzt ist, quasi zu verwerfen.</p>
<p>Die oft direkt geäußerte oder spürbare verborgene Befürchtung, die damit einhergeht, ist, daß wir uns von zentralen Texten der Bibel verabschieden müßten &#8211; oder zumindest von einigen ihrer wesentlichen Aussagen.</p>
<p>Nun ist aber im folgenden Bericht des epd von einem <em>Urtext</em> nicht mehr die Rede (mit Ausnahme des einleitenden Satzes) &#8211; zum Glück, denn: es ist gar nicht die Absicht dieses Projektes, den neutestamentlichen <em>Urtext</em> zu rekonstruieren. So äußert sich der zitierte Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Jan Bühner, korrekt: &#8220;Wir wollen herausfinden, wo wir ansetzen müssen, um möglichst nahe [!] am Ausgangstext zu sein&#8221;. Die Überzeugung, man könne tatsächlich die neutestamentlichen &#8220;Originale&#8221; aus den uns vorliegenden Handschriften rekonstruieren, ist schon seit langem von den meisten Textforschern aufgegeben worden &#8211; ein Rest Spekulation würde in jeden dieser Versuche einfließen, womit das Resultat mit nicht mehr mit <em>Gewißheit</em> als identisch mit dem &#8220;Urtext&#8221;, den wir ja nun nicht kennen, behauptet werden könnte.</p>
<p>Genaugenommen gibt es nur eine einzige Möglichkeit, an den Ausgangstext heranzukommen: man müßte tatsächlich Autographen (also die &#8220;Originale&#8221;) etwa eines Paulus, Lukas u.a. <em>finden</em>. Solange das bei den meisten Teilen des Neuen Testaments nicht der Fall ist und wohl auch nie sein wird, können wir nur auf das zurückgreifen, was wir vorliegen haben &#8211; nämlich auf die vielen Handschriften, die sich in komplizierten Bahnen irgendwie alle auf <em>den</em> &#8220;Urtext&#8221; zurückführen lassen, jedoch eben nicht die &#8220;Originale&#8221; selbst sind, sondern in der Regel Abschriften von Abschriften von Abschriften dieses &#8220;Urtextes&#8221; darstellen, die aus verschiedenen Gründen (ungenaue Abschriften, Übersetzungsfehler, Ergänzung erklärender Kommentare etc.) von diesem abweichen können (nicht müssen!).</p>
<p>Das Vergleichen dieser vorliegenden Handschriften sowie das Abwägen der <em>wahrscheinlichen</em> Authentizität ihres Textes (der wahrscheinlichen Nähe also zum &#8220;Original&#8221;) ist Aufgabe der sog. &#8220;Textkritik&#8221;, die zum grundlegenden Handwerk jeglicher wissenschaftlicher Textforschung und Exegese gehört. Den Text, den man in einem solchen Prozeß dann schließlich als den vermutlich am nächsten zum Ausgangstext Liegenden ausgibt, bezeichnet man in Ermangelung des &#8220;Originals&#8221; dann besser z.B. als &#8220;<em>Grundtext</em>&#8220;. Wertvolle weitere Ergebnisse dieser Textkritik sind z.B. Einsichten in die theologischen Traditionen und Beweggründe unterschiedlicher sog. &#8220;Textzeugen&#8221; (= Handschriften bzw. deren Autoren).</p>
<p>Um den oben erwähnten Verunsicherungen vorzubeugen: die Tatsache, daß wir nicht über die Originale biblischer Schriften verfügen, bedeutet noch lange nicht, daß die uns vorliegenden Handschriften und die Übersetzungen, die darauf beruhen, nicht vertrauenswürdig seien. Zwar gibt es unter den vielen uns bekannten Textzeugen immer ein paar deutliche Ausreißer, aber die Textforschung der vergangenen Jahrhunderte hat gezeigt, daß die allermeisten Abschriften mit beinahe unglaublicher Präzision und Worttreue durchgeführt wurden. Auf dieser Grundlage kann man mit gutem Recht vermuten, daß die Bibel, wie wir sie heute vorliegen haben, im großen Ganzen und Wesentlichen nicht (oder eben nur unwesentlich) von den uns nicht vorliegenden &#8220;Originalen&#8221; abweicht.</p>
<p>Als Christ kann man diese Vermutung dann auch zutreffender und pointierter einfach mit dem Begriff &#8220;Gottvertrauen&#8221; zum Ausdruck bringen &#8211; <em>Urtext</em> hin oder her. <img src='http://www.theolobias.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
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