Ein Gott, der mich sieht

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ (1. Mose 16,13)

Auge

© Torsten Lohse / PIXELIO

Mit Statusmeldungen auf Facebook, Blogeinträgen etc. wollen wir oftmals nicht nur Informationen weitergeben, sondern gesehen werden.

Ich bilde da keine Ausnahme. Gesehen, wahrgenommen zu werden, ist unabdingbare Lebensgrundlage eines jeden Menschen. Wir existieren nicht aus und für uns selbst. Ganz werden wir erst in der Begegnung mit dem anderen. Einen Menschen nicht anzusehen bedeutet daher ansatzweise immer schon, ihm sein Leben streitig zu machen.

Vielleicht sind die digitalen Medien gerade deshalb so attraktiv für uns: Weil wir damit schneller und müheloser Aufmerksamkeit erheischen können als in unserem „Offline-Leben“.

Nun ist bloße Aufmerksamkeit zwar noch längst kein echtes Wahrgenommenwerden – doch bereits die schiere Ähnlichkeit lässt uns in unserer Sehnsucht nach Lebendigkeit und Anerkennung danach greifen. Vielleicht, weil wir hin und wieder die bittere Erfahrung machen, nicht gesehen oder gar bewusst missachtet zu werden. Von der anonymen Masse. Von weitläufigen Bekannten. Von Kolleginnen und Kollegen. Womöglich sogar ausgerechnet von Menschen, die wir aufrichtig und bedingungslos, die wir von Herzen lieb haben.

Der eigene Blick – und wie Gott Dich sieht

Wenn es Dir gerade so oder so ähnlich geht, wenn Du Dich übersehen und verachtet, verletzt und zu Boden gedrückt fühlst, dann lass Dir gesagt sein: Gott ist anders. Gott ist ein Gott, der Dich sieht.

Allerdings: Sein Blick bleibt nicht an der Oberfläche haften. Er schenkt Dir nicht nur Aufmerksamkeit – er nimmt Dich wahr. Gott sieht hinter die Masken und Fassaden. Er sieht, was Du ansonsten lieber sorgsam und schamvoll versteckst. Einem solchen Blick könnten wir eigentlich nicht standhalten. Von einem solchen Gott wollten wir uns besser ebenfalls übersehen wissen.

Zu unserem Glück aber sieht Gott zugleich auch das, was er an Gutem und Liebenswertem in uns hineingelegt hat. Gott sieht auch das Wahrhaftige und Schöne in und an Dir, was andere und vielleicht nicht einmal Du selbst kennen.

Beide Blicke – der Blick auf das, was Du schamvoll verstecken möchtest, wie auch der Blick auf das, was geradezu danach lechzt, gesehen und wertgeschätzt zu werden – sind Blicke der Liebe. Der eine Blick will heilen, der andere großmachen. Beide widerstreiten dem Tod. Beide dienen dem Leben. Gott ist ein Gott, der Dich sieht.

Mit Gottes Augen sehen lernen

Übrigens: Dieser Blick gilt auch und gerade denjenigen Menschen, die Dich nicht sehen. Die Dich missachten. Gott kennt auch ihre Masken und Fassaden und das, was dahinter verborgen liegt. Er weiß auch um ihre Abgründe, ihre Schuld, ihr Versagen. Aber er kennt auch die in ihnen verborgenen Schätze. Die Schätze, die Du nicht sehen kannst oder magst. Auch diese Menschen will er heilen. Auch diese Menschen will er großmachen.

Wenn Du also Gottes Blick in Deinem Leben erfahren hast, dann ist das nicht nur ein tröstliches Geschenk, das zur Vergewisserung Deines eigenen Bejahtseins dient. Es ist auch eine Aufgabe: Vergelte nicht Böses mit Bösem. Sieh diese Menschen an. Mit Deinen und mit Gottes Augen. Reiche ihnen Deine ausgestreckte Hand, auch wenn sie mit einer Ohrfeige antworten. Segne sie.

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