Der Blick nach vorn

Am Ende des Jahres blicke ich zurück. Neben vielem Guten, Schönen, Bereichernden, neben Freude und Glück, gibt es auch viele lose Fäden und offene Fragen, Hadern und Bedauern, Schmerz und Trauer. Ich bin schuldig geworden an anderen. Andere sind schuldig geworden an mir. Manches davon ist vergeben. Und manches wartet noch darauf, endlich in Gottes gnädige Gegenwart gebracht zu werden.

Caspar David Friedrich:

Caspar David Friedrich:
„Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818)

Vor einem guten Jahr habe ich versucht, in einem Lied, das sich am Vaterunser entlangbewegt, lose Fäden und Fragezeichen, Schuld und Scherben, Lebenshunger und Lebensdurst zusammenzutragen und vor Gott zu bringen. Vor den, der mit all dem Unvollkommenen und mit allem Kaputten etwas anzufangen und auch damit noch sein Reich zu bauen weiß.

Auch am Ende dieses Jahres soll dieses Lied mein Gebet sein. Es ist ein Gebet, in dem ich Vergangenes abzugeben und zugleich mit leeren, bettelnden Händen das zu empfangen versuche, was Gott im neuen Jahr für mich bereit hält. Es ist Ausdruck der Sehnsucht nach Heilung und nach Ganzwerdung, nach Leben und nach Liebe.

Sehnsucht entdeckt in vergangenem Erlebten Spuren der Güte Gottes und drängt zugleich voran, hinein in Gottes offene Zukunft. Und so wird aus dem Blick zurück ein Blick nach vorn, aus dem Gebet des Loslassens ein Gebet dankbarer und vertrauensvoller Erwartung.

Wie lautet Dein Gebet?

Ich lege mein Leben vor dich hin –
in deinen Händen ist es sicher.
Bei dir ist der Grund, das Ziel, der Sinn –
bei dir, meinem Schöpfer, Heiland, Herrscher.
Was mich von dir hält, nimm fort von mir;
zieh du meine Blicke hin zu dir,
bis ich nur noch deinen Namen sehe:


Vater.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe.


Du siehst meine Sehnsucht, mein Verlangen,
den Hunger, den Durst, die Lebensgier.
Du kennst meine Selbstsucht und das Bangen,
dass ich mich verirre und verlier.
Mit Hunger und Durst komm ich zu dir –
dass du sie stillst, Herr, zeige mir,
bis ich nur noch deinen Namen sehe:


Vater.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe.


Herr, meine Schuld steht mir vor Augen –
und wie oft schließ ich sie davor zu.
Öffne sie dann und lass mich glauben,
dass du mir vergibst. Doch lass keine Ruh,
bis ich vergebe, wie du vergibst;
lehre mich lieben, wie du mich liebst,
bis alle nur deinen Namen sehen:


Vater.
Dein Reich soll kommen,
dein Wille geschehen.


Und dann erlöse uns …
erlöse uns …
erlöse uns …
erlöse uns …
erlöse uns …
erlöse uns …
Erlöse uns von dem Bösen.


Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Vater.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe.


Tobias Lampert: Dein Wille geschehe

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