Herrnhuter Losungen: Neue Android-App

Mit einer herben Enttäuschung für die Android-Nutzer unter den Lesern der Herrnhuter Losungen hat das Jahr 2014 begonnen.

Herrnhuter Losungen - Android-AppZehntausende Android-Nutzer haben in den vergangenen Jahren auf die kostenlose Anwendung von Joachim Reiß zurückgegriffen – eine einfach gehaltene, aber sehr solide programmierte App, die Losungen und Lehrtexte (also die jedem Tag zugeordneten Verse aus Altem und Neuem Testament) für ein ganzes Jahr bot.

Nun wurden dem Programmierer die Rechte an der Verwertung der entsprechenden Texte für 2014 entzogen, weil die Herrnhuter Brüdergemeine auf die Idee gekommen ist, mit einer eigenen App etwas Geld einnehmen zu können.

Konzept der Herrnhuter ist undurchdacht

Letzteres – eine dargebrachte Leistung irgendwie gegenfinanzieren zu wollen – ist nicht verwerflich. Die erfreuliche und unterstützenswerte Verbreitung der Losungen, weltweit gelesen und in mittlerweile 55 Sprachen (Stand 2012) übersetzt, kostet Geld. Unverständlich ist allerdings, warum die Smartphone-Ausgabe der Losungen mehr kosten muss als die Printausgabe: Letztlich handelt es sich hier um ein eBook, und eBooks erfreuen sich unter anderem deshalb so großer Beliebtheit, weil sie durch wegfallende Material- und Druckkosten deutlich günstiger angeboten werden können als klassische Bücher. Obendrein wurden die für den Nutzer tatsächlich anfallenden Kosten vom Anbieter ursprünglich verschleiert, indem erst nach erfolgter Installation darauf hingewiesen wurde, dass lediglich das Programm kostenlos ist, nicht aber die Texte, die damit gelesen werden sollen.

Zwar bietet die App der Herrnhuter Brüdergemeine im Gegensatz zu der von Joachim Reiß immerhin auch sämtliche Dritttexte (Liedverse, Gebete etc.), ist dafür allerdings in Sachen Funktionalität und Design äußerst unzureichend umgesetzt. So fehlt beispielsweise ausgerechnet ein Widget, mit dem die Losungen direkt auf dem Startbildschirm angezeigt werden können, was eigentlich eines der Hauptargumente für eine solche App auf dem Smartphone ist. Und auch sonst scheint das Konzept reichlich undurchdacht und unausgereift zu sein.

Nutzer erteilen der Original-App eine Abfuhr

Angesichts dieser Umstände wäre es wesentlich fairer gewesen, Joachim Reiß weiterhin die freie Verwendung von Losungen und Lehrtexten für seine App zu gewähren (auf anderen Software-Plattformen wie z.B. Windows oder Mac OS X ist das nach wie vor gegeben – lediglich die Dritttexte waren bislang lizenzpflichtig) und darauf zu setzen, mit dem inhaltlichen Mehrwert der eigenen App zu überzeugen und Käufer zu finden. So wurde stattdessen ein engagierter Programmierer, der unentgeltlich viel Zeit und Liebe in seine Anwendung investiert hat, kurzerhand kaltgestellt.

Entsprechend heftig fällt auch der Großteil der Reaktionen auf die App etwa auf Google Play (Googles App-Store) aus. Die Verantwortlichen der Herrnhuter Brüdergemeine waren davon wohl etwas überrascht und haben von einer Arbeitsgruppe eine Stellungnahme erarbeiten lassen – die meiner Wahrnehmung nach allerdings nur zeigt, dass den zentralen Anliegen der vorgebrachten Kritik gar keine ernsthafte Beachtung geschenkt wurde.

Wenn Du ein Interesse daran hast, dass die Losungen auch zukünftig kostenlos als Android-App erhältlich sind oder wenigstens Preis und Konzept der neuen App gründlich überdacht werden, dann kannst Du Dich mit diesem Anliegen per E-Mail an Pfarrer Michael Salewski (support@losungen.de) wenden, der für die Supportanfragen zuständig ist. Auf dem gleichen Weg kann übrigens auch die oben erwähnte Stellungnahme angefordert werden.

Bei aller notwendigen und berechtigten Kritik bitte sachlich bleiben und auf den Ton achten – unter den erwähnten Nutzerreaktionen sind nämlich leider auch solche zu finden, die man wohl nur als (vorsichtig ausgedrückt) „herbe Enttäuschung“ bezeichnen kann.

37 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,

    Joachim Reiß bietet seit gestern eine Alternative auf Google-Play an, Bibel2 „Die Bibel erklärt sich selber“ – für den, der auf Luthertext nicht angewiesen ist oder eh andere Übersetzungen vorzieht, eine tolle – kostenlose- Alternative. Ich würde auch einen gewissen Salär, vielleicht bis zu zwei Euro bezahlen, geht aber nur, seit es in Deutschland Google-Play-Guthabenkarten zu kaufen gibt . Vorher war man auf eine Kreditkarte angewiesen. Deshalb stimme ich Ihnen zu, die kostenlose Ausgabe der Losungstexte ohne Zusätze hätte bleiben sollen. Dann hätte jeder wählen können, was er möchte.
    Kann man jetzt auch …

    • Vielen Dank für den Hinweis! Die App hatte ich heute auch entdeckt und war schon drauf und dran, sie hier als Alternative zu bewerben. Aber wenn ich das richtig gesehen habe, handelt es sich bei den Versen dort ja nicht einfach nur um die Herrnhuter Losungen in einer anderen Übersetzung, sondern um eine ganz unabhängige Auswahl, oder?

      Und den Grundgedanken der Losungen, sich täglich von Versen begleiten zu lassen, über die sich zeitgleich Menschen nicht nur in der unmittelbaren eigenen Umgebung, sondern rund um die Welt Gedanken machen, finde ich persönlich schon sehr bereichernd, weshalb die Bibel 2.0-App für mich da keinen wirklichen Ersatz darstellt.

    • Das Problem ist ja, soweit ich es verstehe, gerade das, dass die Herrnhuter Brüdergemeine die Bibelstellen lizenziert, die sie ziehen. Die Rechte für die Bibel-Übersetzung liegen ja woanders (Deutsche Bibelgesellschaft). Man dürfte also gar nicht einfach die Losungen in einer frei verfügbaren Bibelübersetzung anbieten, weil dann auch gegen Lizenzrechte verstoßen wird. So legt sich das mir jedenfalls dar.

      Nicht ganz durchschaut habe ich, was es mit [Link entfernt] auf sich hat: Da gibt es ein Widget samt aktuellen Losungen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass hier eine gültige Lizenz vorliegt…?

    • Naja, ich finde es schon grenzwertig, überhaupt die Losungen als solche zu lizenzieren: Eine Auswahl an Bibelstellen, ob nun aufwendig gezogen und thematisch zusammengestellt oder einfach wild zusammengeschustert, ist strenggenommen immer noch eine Sammlung von Zitaten, auch wenn ich mir darüber im Klaren bin, dass im Falle der Herrnhuter Losungen die Auswahl der Lehrtexte zu den jeweiligen Losungen mit theologischer Reflexion, also auch mit Arbeit verbunden ist. Ich glaube, rein juristisch betrachtet wäre eine Lizenzierung der Losungen schon anfechtbar.

      Sind in der von Dir aufgeführten App denn tatsächlich die Losungen integriert, oder handelt es sich da um eine andere Auswahl von Versen?

    • Keine Frage – dass eine solche Lizenzierung grenzwertig ist, finde ich auch. Darüber könnte man aber sicher lange diskutieren ;-) Man muss dennoch differenzieren zwischen einer Lizenzierung des Bibeltexts & den Bibelstellen, um zu verstehen, warum nicht einfach die Losungen in „freien Übersetzungen“ zur Verfügung gestellt werden können. dass das die eigentliche Sache nicht besser macht, steht m. E. außer Frage.

      In der von mir erwähnten App sind offenbar tatsächlich die Losungen + Lehrtexte drin.

    • Hmm, ich kann mir nicht vorstellen, dass die Programmierer da über eine Lizenz verfügen – sonst wäre es ja noch unverständlicher, dass Joachim Reiß diese entzogen wurde. Lohnt kaum, sich das einmal näher anzusehen, wenn man damit rechnen muss, dass die App in ein paar Tagen mangels Lizenz zurückgezogen werden muss …

    • Vorstellen kann ich es mir auch nicht. Wie gesagt, ich hab den Entwicklern und auch den Herrnhutern eine Mail geschrieben, um der Sache auf den Grund zu gehen. Vielleicht entpuppt es sich ja als Geheimtipp. Und falls nicht, ist nicht mehr verloren als sowieso schon :-)

  2. Danke für den artikel. ich habe gerade entsprechend bewertet.

    ‚Hoffnung für heute‘ ist dann noch ein schwacher kostenloser Ersatz. (Über combib.de)
    Jörg Wilkesmann-Brandtner

    • Ja, daran hatte ich auch schon gedacht – aber natürlich hätte ich die Losungen am liebsten in der gleichen Fassung auf dem Smartphone wie in der Printversion.

    • Dankeschön für den Hinweis! Fabian Maysenhölder hatte oben schon auf diese App (bzw. die Version für Android ab Version 2.1) aufmerksam gemacht. Es bleibt der Verdacht, dass die Herrnhuter Brüdergemeine auch dort noch auf die Einstellung drängen wird – aber die Hoffnung stirbt zuletzt …

  3. Gibt es nicht ein Widget, was Webseiten darstellen kann?
    Losungs-Plugins gibts für fast alle CMS, das kommt dann auf eine ansonsten leere, weiße Seite…
    Oder man stellt die Tweets der @losungen dar …

    Nachzuvollziehen ist das jedenfalls nicht, auch wenn mehr als AT+NT enthalten sind und so ein Mehrwert entsteht sollte man so nicht mit Nutzern und Freiwilligen umgehen. Immerhin wurde ja über lange Zeit das Ehrenamtlich gemacht, was jetzt gegen Bezahlung passieren soll…

    • Das löst zwar dann evtl. für einzelne das Problem, die Gesamtfrage bleibt aber dieselbe… Ich hoffe, dass sich bei den Herrnhutern was bewegen wird.

      Bezügl. der Alternativ-App (s. Kommentar[e] oben): Ich habe von den Herrnhutern noch nichts gehört. Der Entwickler der App sagte mir aber, er habe keine speziellen Rechte und wisse nichts davon, er hat dann auch direkt an Herr Salewski geschrieben. Es ist also davon auszugehen, dass auch diese App bald aus dem Playstore genommen wird.

    • Danke für die Zwischenstandsmeldung, Fabian! Ich hoffe auch, dass sich bei den Herrnhutern da noch etwas tut.

      Wäre ich Entwickler, würde ich bis dahin einfach die Losungsverse und Lehrtexte in einer lizenzfreien Übersetzung verwenden. Das wäre zwar mit ein bisschen mehr Arbeit verbunden, aber ich glaube, so eine App würde so viele Nutzer von der offiziellen App abziehen, dass Herrnhut ganz schnell wieder eine kostenlose Variante mit den Versen in der Lutherübersetzung, aber ohne die Dritttexte, genehmigen oder vielleicht sogar selbst anbieten würde.

    • Losungen und Lehrtexte dürfen, soweit ich das weiß, auch nicht in einer lizenzfreien Übersetzung angeboten werden. Wir hatten die Diskussion mal bei der Offenen Bibel im Rahmen eines „Losungs-Projektes“. Die Rechte der Luther-Übersetzung liegen ja sowieso nicht bei den Herrnhutern, sondern bei der Deutschen Bibelgesellschaft.

      Der Clou an der Sache ist, soweit ich das verstehe (hatten wir oben glaube ich schonmal), dass nicht die Texte selbst, sondern die Auswahl der Texte lizenziert ist. Das macht den „Umweg“ über andere Übersetzungen unmöglich. Selbst, wenn du sie selbst übersetzt hättest…

    • Dass die Argumentation der Herrnhuter so ist, glaube ich schon. Als Entwickler würde ich es aber einfach darauf ankommen lassen. ;)

      Ich hab mich neulich mal ein bisschen mit dem Zitierrecht auseinandergesetzt und bin mir ziemlich sicher, dass die Brüder-Unität keine rechtliche Handhabe dagegen hätte: Auch die Zusammenstellung zweier Bibelverse, selbst über den Zeitraum eines ganzen Jahres hinweg, ist grundsätzlich nichts anderes als die Zitierung eines Werkes, an dem man selbst keine Urheberrechte besitzt.

      Obwohl die Herrnhuter natürlich jede Menge Arbeit in diese Zusammenstellung stecken: Sie schaffen damit kein neues Werk, das sie lizenzieren lassen könnten. Eben aus diesem Grund werden Losungsverse und Lehrtexte ja auch nach wie vor für andere Plattformen kostenlos zur Verfügung gestellt. Eine Untersagung der Weiterverwendung ließe sich also nur bei einer Verwendung einer urheberrechtlich geschützten Übersetzung rechtfertigen.

    • Nun ja, aber dann wäre die Frage, wieso die Herrnhuter überhaupt lizenzieren können. Dann müsste sich ein Losungs-App Entwickler an die Deutsche Bibelgesellschaft wenden, könnte quasi ganz ohne Herrnhuter-Zustimmung vorgehen. Die Herrnhuter könnten dann folglich gar niemandem die Rechte entziehen.

      „Sie schaffen damit kein neues Werk, das sie lizenzieren lassen könnten.“ —> Das wird vermutlich genau der Streitpunkt sein, wenn es hart auf hart kommt. Und ich denke, durch die theologisch begründete Auswahl des Lehrtextes hätten die Herrnhuter auch ganz gute Argumente.

      Leider bin ich kein Recht-Experte. Wäre spannend, das mal genauer zu betrachten….

    • Ja, das ist der Knackpunkt. Irgendjemand sollte sich da wirklich einmal die Mühe machen, das Ganze von der juristischen Seite her aufzuklären.

      Die theologisch begründete Auswahl kann man natürlich als Argument vorbringen. Aber: Ich kann ja auch nicht Goethes gesammelte Werke neu zusammenstellen (ganz unabhängig von der zugrunde liegenden Methode) und mir diese Zusammenstellung dann anschließend bezahlen lassen bzw. anderen ihre Verwendung untersagen. Es bleiben die Texte Goethes, die urheberrechtlich nicht mehr geschützt sind.

    • Ich habe jetzt kurzerhand einmal eine Anfrage an Pfarrer Salewski rausgeschickt, wie sich denn die Rechtslage hinsichtlich der Losungsverse und Lehrtexte für die Herrnhuter Brüdergemeine darstellt, und gleichzeitig noch ein paar befreundete Juristen um eine Einschätzung gebeten.

      Wenn da grünes Licht gegeben wird, könnte man ja Joachim Reiß kontaktieren und ihn bitten, die alte App mit den Losungen in einer lizenzfreien Übersetzung anzubieten.

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  6. Interessante Fragen werden hier gestellt! Antworten findet Ihr auf der erwähnten Seite bible2.net, für die ich verantwortlich bin. Was aktuell mit der App passiert, ist dasselbe, was uns Ende 2007 mit den damaligen „Freeware-Losungsprogrammen losung.de“ passiert ist: die Brüdergemeine / der Verlag machen es selber. Da wir bereits seit ca. 1990 die Losung für Computer bereitgestellt hatten und viel Zeit in die Software reingesteckt hatten, entstand damals unter meinem Betreiben das Projekt „Bibel 2.0“ als Alternative. Joachim Reiß ist uns willkommen, wie manche andere auch!

    Ich hatte ca. 15 Jahre lang die Aufbereitung der Losungstexte für Computer in verschiedenen Sprachen organisiert. Wir hatten die Verse zusätzlich gut lesbar umgebrochen (das war einige Arbeit!). Damit die Übersetzungsbearbeiter nicht jedes Jahr z.T. dieselben Verse erneut bearbeiten mussten, hatte ich die Verse gesammelt und nur die „neuen“ Verse an die Bearbeiter gegeben (wer genau nachschaut, stellt fest, dass in der Herrnhuter Losung ein und derselbe Vers in verschiedener Formulierung vorkommen kann – das möchte ich nicht). Im neuen Projekt bauten wir darauf auf, bereits einmal aufbereitete Verse wiederzuverwenden. Doch die Idee umfasst mehr: warum nicht gemeinsam solche „zugeordneten“ Verse finden und auch unabhängig von der „Tageslosung“ nachschlagen? Ungefähr das, was ich beim Bibellesen manchmal an den Rand schreibe… Das läuft aktuell auf bible2.net im „BibelStudio“ für den Jahrgang 2015. Leider nur auf Deutsch, leider nicht so schön, wie man sich’s vorstellen kann, leider geht das alles recht langsam vorwärts…

    Zum Hintergrund der Lizenz: die Brüdergemeine hat die Rechte an der Zusammenstellung der Verse. Die Bibelgesellschaft hat die Rechte am Bibeltext an sich. Auch wer beides zusammen hat, darf aber deshalb immer noch nicht z.B. die Losung in einer Fremdsprache veröffentlichen, da dafür laut Aussage der Brüdergemeine der Herausgeber des jeweiligen Losungsbüchleins zustimmen muss. Ende 2007 war es z.B. so, dass die bei losung.de am zweithäufigsten genutzte Sprache Englisch nicht mehr weiter verbreitet werden durfte, weil die Herausgeber des englischen Losungsbüchleins der Verbreitung übers Internet nicht zustimmten (meines Wissens bis heute nicht).

    Die Lizenzen auf Bibel 2.0 sind alle in Ordnung: Christen „wie Du und ich“ stellen die Bibelverse unter einer Creative Commons-Lizenz zusammen. Für jeden verwendeten Bibeltext haben wir die Erlaubnis vom Herausgeber (auf bible2.net ausgewiesen). Es spricht also nichts dagegen, die Verse zu verwenden! Es sind zwar nicht die original Herrnhuter Losungen, die vor allem in Deutschland sehr beliebt sind, aber: es ist Gottes Wort, die Verse „erklären sich gegenseitig“, sie sind elektronisch verfügbar, und das in etlichen Sprachen, insbesondere auch in einigen Minderheitensprachen. Und jeder kann dazu beitragen.

    • Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar und die wichtigen Hinweise! Ob das mit den Rechten an der Zusammenstellung der Verse aus juristischer Sicht so einwandfrei ist, ist ja nicht zweifelsfrei geklärt: Eine Anfrage diesbezüglich an die Herrnhuter Brüdergemeine ist seit nunmehr fast schon zwei Wochen unbeantwortet geblieben, weswegen ich vermute, dass Losungs- und Lehrtexte wenigstens in einer lizenzfreien Übersetzung angeboten werden dürften.

    • Ich finde es ja sowieso eigentlich ein Unding, dass die Herrnhuter offenbar keinerlei Support-Anfragen beantworten. Ich hab zumindest noch von niemandem gehört, dass sie es täten. Ich befürchte, die wollen einfach „Gras über die Sache“ wachsen lassen. Ich habe auch schon angefragt, wann diese ominöse „Arbeitsgruppe“ denn zu Ergebnissen kommt. Die gibt’s ja nun auch schon eine ganze Weile. Vielleicht sollte man mal noch weitere Schritte unternehmen?

    • Wir hatten damals auch Übersetzungen im elektronischen Programm (norwegisch), für die es kein Losungsbüchlein gab. Dies wurde von der Brüdergemeine abgelehnt. Die Lizenz für den Bibeltext hatten wir, das wäre also vergleichbar mit einer „lizenzfreien Übersetzung“.

      Ob diese Ablehnung juristisch einwandfrei ist, weiß ich auch nicht. Aber ich hätte kein Interesse, es im Zweifelsfall vor Gericht auszufechten. Daher haben wir einen alternativen Weg gewählt.

      Zu der Zeit wurde auch das damalige von Herrnhut verbreitete Windows-Programm auf „Herrnhuter Losung“ umbenannt, vermutlich ist dieser Begriff mittlerweile geschützt. Aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, es solle die „Marke“ stärker in den Vordergrund gerückt werden, daher auch das Ende der davor „unabhängigen“ Freeware-Webseite losung.de.

      Dass die Beantwortung einer Anfrage juristischen Inhalts länger als zwei Wochen dauert, kann ich mir gut vorstellen :-) Zu unserer Zeit wurden Anfragen teilweise in einem Gremium geklärt, das nicht so oft tagte.

      Bitte habt auch Verständnis für die Brüdergemeine – dies ist eine Kirche und kein Online-Forum. In den 1990-er Jahren lautete die Frage noch: „Wer sollte die Losung auf Diskette benötigen?“ Es ist nicht gesagt, dass es dort eine extra Supportabteilung für Online-Fragen gibt :-) Aber warum lange darüber nachdenken?

    • @HSteeb: Es gibt zumindest einen Verantwortlichen für Online-Fragen. Und es ist doch schon merkwürdig, dass der gar nicht reagiert.

      Aber es wäre nur ein weiteres Zeichen, wie dilletantisch und naiv man an dieses App-Vorhaben rangegangen ist. Wer neue Bereiche „erobern“ will, der sollte sich vorher ziemlich genau mit den Eigenschaften und Funktionsweisen dieser Bereiche vertraut machen…

    • @Fabian: Ich werde Anfang kommender Woche nochmal nachhaken und klarmachen, davon auszugehen, dass die Verbreitung von Losung und Lehrtext in einer lizenzfreien Übersetzung erlaubt ist, sofern es da keinen eindeutigen Widerspruch von den Herrnhutern gibt. Keine Antwort auf eine offizielle Anfrage ist für meine Begriffe jedenfalls auch eine Antwort.

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  9. Hallo Tobias,

    im Gründe genommen wollte ich heute im Netz nur schauen,ob sich in Sachen Losungen was getan hat. Hat wohl nicht.
    So bin ich dann wohl auf deine Seite gelandet.

    Dabei entdecke ich,dass es nicht nur mir damit so geht. Interessante Auseinandersetzung zu diesem Thema.
    Unter finanziellen Gesichtspunkten betrachtet,war das nur eine Frage der Zeit,bis sich das so entwickeln würde wie es nun ist .

    Ob Bibelverlage,die ständig neue Bibelausgaben produzieren oder/und inzwischen die meisten christlichen Verlage, erkennbar ist: Diese passen sich mehr und mehr den weltlichen Gepflogenheiten an… Es gibt kaum noch große
    Unterschiede ..

    Warum studierst du Theologie Tobias? Reicht es nicht wenn du deine Bibel studierst.?
    Was verbindest Du mit einem Theologiestudium?

    Grüße aus Berlin
    Christine David

    • Hallo Christine!

      Losungen und Lehrtext sind seit einigen Wochen tatsächlich wieder frei erhältlich, bei der App muss lediglich für die Drittexte (Lieder, Gebete etc.) bezahlt werden. Ich hatte es nur verpasst, auf meinem Blog rechtzeitig darauf hinzuweisen. Ich versuche, demnächst trotzdem noch etwas dazu zu schreiben.

      Meine Kritik richtete sich übrigens gar nicht so sehr darauf, dass die App nicht mehr kostenlos erhältlich war: Auch christliche Verlage müssen sich irgendwie finanzieren können, und allein mit Spenden ist es da in der Regel nicht getan. Sicherlich ist längst nicht jede neue Bibelausgabe notwendig und ein (ideeller) Gewinn – aber ohne massiven finanziellen Aufwand gäbe es heute weder revidierte Luther- noch Elberfelder-Übersetzungen und auch keine brauchbaren wissenschaftlichen Ausgaben in den Ur-/Grundsprachen – und das wäre ein herber Verlust für alle christlichen Kirchen und Gemeinden. Mir ging es vor allem darum, dass es bereits eine gute Losungs-App gab – und die Herrnhuter Brüdergemeine es verpasst hat, sich mit deren Entwickler abzusprechen, was für alle Seiten sowohl in Blick auf die Funktionalität der App als auch in Blick auf die Kosten von Vorteil gewesen wäre.

      Zu Deinen Fragen: Ich studiere Theologie, weil es mich interessiert und ich gerne einen theologischen Beruf ergreifen möchte. Die andere Frage macht es mir da schon schwerer: Ob es nicht *reiche*, die Bibel zu studieren, kann ich nur beantworten, wenn ich weiß, *wofür* es reichen soll. Für mein persönliches „Seelenheil“? Dafür wäre eine eigene Bibel und die Möglichkeit, sie zu studieren, sogar im wortwörtlichen und positiven Sinne überflüssig. Nicht *reichen* würde es auf jeden Fall, wenn ich z.B. einer Gemeinde ein guter Pfarrer sein wollte. Dass dazu ganz, ganz oben auf jeden Fall ein gründliches Bibelstudium steckt, ist für mich selbstverständlich. Aber da fängt es ja schon an: Mit welcher Bibel sollte so ein Studieren denn erfolgen? Mit der Lutherbibel, Elberfelder, Genfer, einer der ur-/grundsprachlichen Ausgaben (aber welcher?), mit allen zusammen? Wenn man sich dieses Problems bewusst ist und es ernstnehmen möchte, dann steckt man eigentlich schon mittendrin im theologischen Fragen.

      Grüße aus dem schönen Mittelfranken ins schöne Berlin,
      Tobias :)

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