Oft muss ich eine Mauer von Gegengründen und widerstrebenden Gefühlen überwinden, die ich zwischen mir und all denen aufgebaut habe, die ich liebe, die aber diese Liebe so oft nicht erwidern. Es ist eine Mauer der Angst, erneut ausgenützt und verletzt zu werden. Es ist eine Mauer des Stolzes und das Bestreben, alles im Griff zu behalten. Aber jedesmal, wenn ich diese Mauer überwinden kann, komme ich in das Haus, wo der Vater wohnt, und begegne dort meinem Nächsten mit wirklich erbarmender Liebe.

Henri J. M. Nouwen: Nimm sein Bild in dein Herz. Geistliche Deutung eines Gemäldes von Rembrandt

SprachlosDie Kommentare zum Artikel „Jesus und die Sprachlosigkeit“, den ich kürzlich hier veröffentlicht hatte, haben zu unbeabsichtigter, aber willkommener Erheiterung geführt (siehe den Screenshot meines Feed-Readers).

Daniel Renz hat sich drüben auf auf seinem Blog „schlunkfunk“ dieser Internet-Stilblüte angenommen und meine Gedanken gleich weitergeführt. Wie schön, wenn aus der anfänglichen Feststellung eigener Sprachlosigkeit unversehens ein Nachdenken und ein Gespräch über das (Wieder-)Finden von Worten, die angemessen und treffend von Gott erzählen, entsteht!

Hier geht’s zu Daniels Blogeintrag:

Sprachlos

Jesus und die Sprachlosigkeit

Martin Dreyer, Gründer der Jesus Freaks und Autor der Volxbibel, hat zusammen mit Filmemacher Silas Baisch ein Video produziert, in dem er seine Geschichte mit Gott erzählt.

In seiner gewohnt einfachen, direkten und unsentimentalen Sprache berichtet er von seinen Abstürzen in die Welt der Drogen – und davon, wie Jesus ihn dort herausgeholt und ihm ein neues Leben geschenkt hat.


Ich nehme Dreyer jedes Wort davon ab. Ich hüte mich davor, einem Menschen mit einer so bewegten Biographie Realitätsferne und Schwärmerei zu unterstellen. Ich hüte mich nicht zuletzt deshalb davor, weil ich ja selbst einer dieser Menschen bin, die Jesus ihren „Herrn und Heiland“ nennen, und weil ich Jesus selbst schon als diesen Herrn und Heiland erlebt habe. Und trotzdem hat mich diese Geschichte, so wie sie da erzählt wird, enttäuscht oder zumindest irritiert.

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Der Segen ist der schönste Tanz der Hoffnung und des Glaubens, indem zwei Menschen von sich selber absehen, der Segnende und der Gesegnete. Der Gesegnete erlaubt sich den Sturz in das Versprechen der Geste und des Wortes. Er fragt nicht nach seinen eigenen Voraussetzungen für den Segen. Einmal will er nicht zweifeln, einmal will er nicht fragen, wo das Versprechen seinen Ort der Erfüllung hat. Wenigstens an dieser Stelle will er nicht bestehen auf den eigenen Widersprüchen, auf den eigenen Halbheiten; auf dem Leben, das durch ihn selber nicht gerechtfertigt ist. Der Segen ist die dichteste und die dramatischste Stelle des Glaubens. Dort nämlich wird inszeniert, was Gnade ist: nicht erringen müssen, wovon man wirklich lebt; sich nicht bannen lassen durch die eigenen Zweifel und durch die Zersplitterung des eigenen Lebens. Der Gesegnete muss nicht nur er selber sein. Er stürzt in den Abgrund des Schoßes Gottes.


Ebenso sieht der Segnende von sich ab. Denn er steht nicht für das Versprechen, das er gibt. Er spielt ein Spiel, dessen Regeln und dessen Ausgang er nicht garantiert. Das ist die Demut des Segnenden: er spendet etwas, was er nicht hat, und seine eigene Blöße hält ihn nicht ab, aufs Ganze zu gehen und Gott als Versprechen zu geben. Der Segnende ist ein schlechter Buchhalter. Er bilanziert nicht, und er gibt nicht nur aus, was er hat. Er sagt nicht nur, was er verantworten kann; und er verspricht nicht nur, was er halten kann. Fallen lässt sich also nicht nur der Gesegnete, fallen lässt sich auch der Segnende in die Sprache und in die Geste, die größer ist als ihr Herz.

Fulbert Steffensky: Schwarzbrot-Spiritualität

Herrnhuter Losungen: Neue Android-App

Mit einer herben Enttäuschung für die Android-Nutzer unter den Lesern der Herrnhuter Losungen hat das Jahr 2014 begonnen.

Herrnhuter Losungen - Android-AppZehntausende Android-Nutzer haben in den vergangenen Jahren auf die kostenlose Anwendung von Joachim Reiß zurückgegriffen – eine einfach gehaltene, aber sehr solide programmierte App, die Losungen und Lehrtexte (also die jedem Tag zugeordneten Verse aus Altem und Neuem Testament) für ein ganzes Jahr bot.

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Guten Rutsch! …

Guten Rutsch!… und ein frohes und gesegnetes Jahr 2014!

Alle Jahre wieder darf dieser kleine etymologische Beitrag nicht fehlen: Wer sich nicht so recht erklären kann, warum wir uns bei jedem Jahreswechsel „Guten Rutsch!“ zurufen – das hat nicht etwa mit dem „Hineinrutschen“ ins neue Jahr zu tun, sondern kommt ursprünglich aus dem Hebräischen.

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Der Blick nach vorn

Am Ende des Jahres blicke ich zurück. Neben vielem Guten, Schönen, Bereichernden, neben Freude und Glück, gibt es auch viele lose Fäden und offene Fragen, Hadern und Bedauern, Schmerz und Trauer. Ich bin schuldig geworden an anderen. Andere sind schuldig geworden an mir. Manches davon ist vergeben. Und manches wartet noch darauf, endlich in Gottes gnädige Gegenwart gebracht zu werden.

Caspar David Friedrich:

Caspar David Friedrich:
„Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818)

Vor einem guten Jahr habe ich versucht, in einem Lied, das sich am Vaterunser entlangbewegt, lose Fäden und Fragezeichen, Schuld und Scherben, Lebenshunger und Lebensdurst zusammenzutragen und vor Gott zu bringen. Vor den, der mit all dem Unvollkommenen und mit allem Kaputten etwas anzufangen und auch damit noch sein Reich zu bauen weiß.

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An seiner Krippe

Rembrandt:

Rembrandt: „Beschneidung Christi“ (1661)

Es gibt wohl kaum ein schöneres, reicheres, anrührenderes Lied zum Wunder und Geheimnis der Weihnacht als „Ich steh an deiner Krippen hier“ mit dem Text von Paul Gerhardt und in der Vertonung von Johann Sebastian Bach (die wiederum auf eine Melodie Martin Luthers zurückgeht).

Ob es Dir wohl auch so geht? Jedes Jahr aufs Neue bin ich tief bewegt von der Botschaft, die hier in nahezu jedem Wort verborgen und zugleich offen zutage liegt. Noch nie habe ich es geschafft, beim Singen oder Hören dieses Liedes nicht die eine oder andere Träne zu verkneifen oder einfach frei fließen zu lassen. Jedes Mal waren und sind es Tränen der Trauer und Tränen des Glücks, Tränen der Scham und Tränen der Befreiung. Oft kann ich sie nicht voneinander unterscheiden, so komprimiert kommt in diesen Zeilen und in der Melodie selbst zum Ausdruck, wovon unser Leben allzu oft geprägt ist – vor allem aber, wovon es geprägt sein sollte und nach und nach schon jetzt geprägt sein darf.

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Ein Gott, der mich sieht

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ (1. Mose 16,13)

Auge

© Torsten Lohse / PIXELIO

Mit Statusmeldungen auf Facebook, Blogeinträgen etc. wollen wir oftmals nicht nur Informationen weitergeben, sondern gesehen werden.

Ich bilde da keine Ausnahme. Gesehen, wahrgenommen zu werden, ist unabdingbare Lebensgrundlage eines jeden Menschen. Wir existieren nicht aus und für uns selbst. Ganz werden wir erst in der Begegnung mit dem anderen. Einen Menschen nicht anzusehen bedeutet daher ansatzweise immer schon, ihm sein Leben streitig zu machen.

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