Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.


Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass jetzt der Sommer nahe ist. So auch ihr: wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.


Lukas 21,25-31: Die Bibel

Ich kann mich radikal erfinden, aber ich kann dabei auch total untergehen. Ich muss mich immer neu erfinden, nur dann werde ich nicht untergehen. Der in diesem Slogan mittransportierte Druck, dieser ungeheure Leistungs- und Überlebensdruck, ist kennzeichnend für das postmoderne Lebensgefühl: Nur wer sich – ständig neu! – erfindet, wird bestehen! Auch das ist eine Konsequenz der Tatsache, dass mein Wert, meine Würde, mein Lebensrecht nicht einfach durch Gott vor-gegeben ist. Jetzt muss ich das ständig selber begründen. Und wehe, ich habe dazu eines Tages keine Kraft mehr. Kann das nicht mehr. Weil andere stärker sind. Dann bestehe ich nicht mehr. Dann gehe ich unter.

Heinzpeter Hempelmann: Nach der Zeit des Christentums. Warum Kirche von der Postmoderne profitieren kann und Konkurrenz das Geschäft belebt

Ehe man sich versieht, steht dann so ein junger Bursche auf der Kanzel, der einem erklärt, dass man bisher die ganze Bibel falsch verstanden hat. Jesus ist nicht gekommen, um uns von unseren Sünden zu erlösen, sondern von den Kernwaffen. Dieses schlaffe, bequeme Wir-haben-uns-alle-lieb-Christentum, das es heute gibt, ist ja so was von abscheulich! Diese Burschen stehen dann da oben und delirieren über ‚verwundbar Kirche sein‘ oder über ‚Zeitgenossenschaft bezeugende offene Kirche‘ oder über ‚Gott, der uns im anderen begegnet‘. Es ist nicht zu glauben, was man da so alles zu hören bekommt! Dieses ganze dem Zeitgeist hinterherhinkende Gewäsch. Jesus ist ‚für die Schwachen in der Gesellschaft‘ gekommen. Als bräuchten die Starken und Reichen nicht ebensogut einen Erlöser.

Maarten ‚t Hart: Die Jakobsleiter

Es ist der von der Person Jesu Christi ausgehende göttliche Geist der Freiheit, der inmitten der alten Welt auf Jesus Christus so zurückkommt, dass man mit ihm neu anfangen kann. Und das heißt zunächst und vor allem, dass man sich in seinem eigenen Lebenszusammenhang von Jesus Christus so elementar unterbrechen lässt, wie nur Gott selbst unsere Wirklichkeit zu unterbrechen vermag. Wer sich aber von Jesus Christus in seinem eigenen Lebenszusammenhang derart elementar unterbrechen und sein Leben derart neu ausrichten lässt, wie nur Gott ein Leben zu unterbrechen und neu auszurichten vermag, der beginnt, an Jesus als wahren Gott zu glauben. Und er staunt darüber.

Eberhard Jüngel: Beziehungsreich. Perspektiven des Glaubens

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Der Blick nach vorn

Am Ende des Jahres blicke ich zurück. Neben vielem Guten, Schönen, Bereichernden, neben Freude und Glück, gibt es auch viele lose Fäden und offene Fragen, Hadern und Bedauern, Schmerz und Trauer. Ich bin schuldig geworden an anderen. Andere sind schuldig geworden an mir. Manches davon ist vergeben. Und manches wartet noch darauf, endlich in Gottes gnädige Gegenwart gebracht zu werden.

Caspar David Friedrich:

Caspar David Friedrich:
„Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818)

Vor einem guten Jahr habe ich versucht, in einem Lied, das sich am Vaterunser entlangbewegt, lose Fäden und Fragezeichen, Schuld und Scherben, Lebenshunger und Lebensdurst zusammenzutragen und vor Gott zu bringen. Vor den, der mit all dem Unvollkommenen und mit allem Kaputten etwas anzufangen und auch damit noch sein Reich zu bauen weiß.

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An seiner Krippe

Rembrandt:

Rembrandt: „Beschneidung Christi“ (1661)

Es gibt wohl kaum ein schöneres, reicheres, anrührenderes Lied zum Wunder und Geheimnis der Weihnacht als „Ich steh an deiner Krippen hier“ mit dem Text von Paul Gerhardt und in der Vertonung von Johann Sebastian Bach (die wiederum auf eine Melodie Martin Luthers zurückgeht).

Ob es Dir wohl auch so geht? Jedes Jahr aufs Neue bin ich tief bewegt von der Botschaft, die hier in nahezu jedem Wort verborgen und zugleich offen zutage liegt. Noch nie habe ich es geschafft, beim Singen oder Hören dieses Liedes nicht die eine oder andere Träne zu verkneifen oder einfach frei fließen zu lassen. Jedes Mal waren und sind es Tränen der Trauer und Tränen des Glücks, Tränen der Scham und Tränen der Befreiung. Oft kann ich sie nicht voneinander unterscheiden, so komprimiert kommt in diesen Zeilen und in der Melodie selbst zum Ausdruck, wovon unser Leben allzu oft geprägt ist – vor allem aber, wovon es geprägt sein sollte und nach und nach schon jetzt geprägt sein darf.

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Ein Gott, der mich sieht

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ (1. Mose 16,13)

Auge

© Torsten Lohse / PIXELIO

Mit Statusmeldungen auf Facebook, Blogeinträgen etc. wollen wir oftmals nicht nur Informationen weitergeben, sondern gesehen werden.

Ich bilde da keine Ausnahme. Gesehen, wahrgenommen zu werden, ist unabdingbare Lebensgrundlage eines jeden Menschen. Wir existieren nicht aus und für uns selbst. Ganz werden wir erst in der Begegnung mit dem anderen. Einen Menschen nicht anzusehen bedeutet daher ansatzweise immer schon, ihm sein Leben streitig zu machen.

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