Nicht ‚hoffentlich‘. Nicht ‚möglicherweise‘ oder ‚wenn alles gut geht‘. Sondern ‚Amen‘! ‚Amen‘ hinein ins Dunkel! In Angst und Zweifel wage ich es, einen weiteren Schritt zu gehen. Nicht weil ich verstünde, nicht weil ich mich sicher wähnte, nicht weil der Glaube es irgendwie leichter machte. Sondern weil ich inmitten der Finsternis eine Tiefe liebevoll der anderen zurufen höre, und mein Herz schreit es hinaus als Antwort auf das Geheimnis des Glaubens: ‚Amen!‘

Ben Myers (Übersetzung: T. L.)

Mein Gott, ich kann nichts anderes als stammeln zu Dir. Nichts anderes kann ich, als Dir mein Herz hinhalten, das tausend Wünsche von Dir wegziehen. Da ich so schwach bin, dass ich freiwillig nicht Dir zugekehrt bleiben kann, so zerstöre mir, was mich von Dir wendet, und reiß mich mit Gewalt zu Dir. Denn ich weiß es, dass ich nur bei Dir glücklich bin, ach, wie weit bin ich weg von Dir, und das beste an mir ist noch der Schmerz, den ich darüber empfinde. Doch ich bin so tot und stumpf oft. Hilf mir einfältig werden, bleibe bei mir, o, wenn ich einmal Vater sagen könnte zu Dir. Doch kann ich Dich kaum mit „Du“ anreden. Ich tue es, in ein großes Unbekanntes hinein, ich weiß ja, dass Du mich annehmen willst, wenn ich aufrichtig bin, und mich hören wirst, wenn ich mich an Dich klammere. Lehre mich beten. Lieber unerträglichen Schmerz als ein empfindungsloses Dahinleben. Lieber brennenden Durst, lieber will ich um Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen beten, als eine Leere zu fühlen, eine Leere, und sie zu fühlen ohne eigentliches Gefühl. Ich möchte mich aufbäumen dagegen.

Sophie Scholl

Das ist die größte Zusage, dass er „Amen“ sagt, „es soll geschehen“, und dabei schwört, bei seiner ewigen Treue. Daher musst du das Gebet so beginnen, dass du Gott mit seinen eigenen Worten ermahnst: „Gott, du hast bei deinem geliebten Sohn zweimal geschworen, dass ich beten soll und erhört werden soll. Auf diese Verheißung, die du durch den Mund deines Sohnes zugesagt hast, komme ich und bete“. Und dies ist das Fundament des Gebets.

Martin Luther