Wer beginnt, „Ich“ zu sagen, der hat die unsichtbare Welt schon betreten, weil wir alle keine Beweise für uns haben. Weil wir uns alle still und heimlich darauf verlassen, wirklich zu sein. Weil wir im Respekt vor diesem unbeweisbaren Geheimnis unserer Existenz sogar von einer Würde sprechen. Sichtbar ist die nicht. Es ist eine Annahme. Ein Glaube.

Esther Maria Magnis: Gott braucht dich nicht. Eine Bekehrung

Nicht ‚hoffentlich‘. Nicht ‚möglicherweise‘ oder ‚wenn alles gut geht‘. Sondern ‚Amen‘! ‚Amen‘ hinein ins Dunkel! In Angst und Zweifel wage ich es, einen weiteren Schritt zu gehen. Nicht weil ich verstünde, nicht weil ich mich sicher wähnte, nicht weil der Glaube es irgendwie leichter machte. Sondern weil ich inmitten der Finsternis eine Tiefe liebevoll der anderen zurufen höre, und mein Herz schreit es hinaus als Antwort auf das Geheimnis des Glaubens: ‚Amen!‘

Ben Myers (Übersetzung: T. L.)

Der Segen ist der schönste Tanz der Hoffnung und des Glaubens, indem zwei Menschen von sich selber absehen, der Segnende und der Gesegnete. Der Gesegnete erlaubt sich den Sturz in das Versprechen der Geste und des Wortes. Er fragt nicht nach seinen eigenen Voraussetzungen für den Segen. Einmal will er nicht zweifeln, einmal will er nicht fragen, wo das Versprechen seinen Ort der Erfüllung hat. Wenigstens an dieser Stelle will er nicht bestehen auf den eigenen Widersprüchen, auf den eigenen Halbheiten; auf dem Leben, das durch ihn selber nicht gerechtfertigt ist. Der Segen ist die dichteste und die dramatischste Stelle des Glaubens. Dort nämlich wird inszeniert, was Gnade ist: nicht erringen müssen, wovon man wirklich lebt; sich nicht bannen lassen durch die eigenen Zweifel und durch die Zersplitterung des eigenen Lebens. Der Gesegnete muss nicht nur er selber sein. Er stürzt in den Abgrund des Schoßes Gottes.


Ebenso sieht der Segnende von sich ab. Denn er steht nicht für das Versprechen, das er gibt. Er spielt ein Spiel, dessen Regeln und dessen Ausgang er nicht garantiert. Das ist die Demut des Segnenden: er spendet etwas, was er nicht hat, und seine eigene Blöße hält ihn nicht ab, aufs Ganze zu gehen und Gott als Versprechen zu geben. Der Segnende ist ein schlechter Buchhalter. Er bilanziert nicht, und er gibt nicht nur aus, was er hat. Er sagt nicht nur, was er verantworten kann; und er verspricht nicht nur, was er halten kann. Fallen lässt sich also nicht nur der Gesegnete, fallen lässt sich auch der Segnende in die Sprache und in die Geste, die größer ist als ihr Herz.

Fulbert Steffensky: Schwarzbrot-Spiritualität

An seiner Krippe

Es gibt wohl kaum ein schöneres, reicheres, anrührenderes Lied zum Wunder und Geheimnis der Weihnacht als „Ich steh an deiner Krippen hier“ mit dem Text von Paul Gerhardt und in der Vertonung von Johann Sebastian Bach (die wiederum auf eine … Weiterlesen →

Es ist der von der Person Jesu Christi ausgehende göttliche Geist der Freiheit, der inmitten der alten Welt auf Jesus Christus so zurückkommt, dass man mit ihm neu anfangen kann. Und das heißt zunächst und vor allem, dass man sich in seinem eigenen Lebenszusammenhang von Jesus Christus so elementar unterbrechen lässt, wie nur Gott selbst unsere Wirklichkeit zu unterbrechen vermag. Wer sich aber von Jesus Christus in seinem eigenen Lebenszusammenhang derart elementar unterbrechen und sein Leben derart neu ausrichten lässt, wie nur Gott ein Leben zu unterbrechen und neu auszurichten vermag, der beginnt, an Jesus als wahren Gott zu glauben. Und er staunt darüber.

Eberhard Jüngel: Beziehungsreich. Perspektiven des Glaubens

Es war nie die Rede davon, dass es hier witzig wird. Es war nie die Rede davon, dass uns allen die Sonne aus dem Arsch scheint. Unser Glaube, der Glaube der Christen, hat einen Schrecken. Unser Glaube macht „BUH!“. Unser Glaube hat in sich das Wissen um den ganzen Dreck der Welt. Er hat einen Schrecken. So wie diese Welt. Und erst dann kommt die Frohe Botschaft. Vorher gibt es keinen Grund, dumm grinsend auf der Kanzel zu stehen und die Menschen, die echte Not haben, deren Ehen gerade kaputtgehen, deren Kinder krank werden, deren Geschwister sterben und deren Eltern dement werden, deren Herzen gebrochen werden, deren Stolz verletzt wird, mit einem weichen gemütlichen Gesäusel und Sozialkitsch einzulullen.

Esther Maria Magnis: Gott braucht dich nicht. Eine Bekehrung

Stern, auf den ich schaue,
Fels, auf dem ich steh,
Führer, dem ich traue,
Stab, an dem ich geh,
Brot, von dem ich lebe,
Quell, an dem ich ruh,
Ziel, das ich erstrebe,
alles, Herr, bist du.


Ohne dich, wo käme
Kraft und Mut mir her?
Ohne dich, wer nähme
meine Bürde, wer?
Ohne dich, zerstieben
würden mir im Nu
Glauben, Hoffen, Lieben,
alles, Herr, bist du.


Drum so will ich wallen
meinen Pfad dahin,
bis die Glocken schallen
und daheim ich bin.
Dann mit neuem Klingen
jauchz ich froh dir zu:
nichts hab ich zu bringen,
alles, Herr, bist du!


Cornelius Friedrich Adolf Krummacher: Stern, auf den ich schaue (Evangelisches Gesangbuch, Nr. 407)

  • Veröffentlicht in: Lyrik
12